Berlin : Auf Doppelstreife

Mit seinem Namen hat das Berliner Garagenrock-Duo Ordnungsamt schon viele Missverständnisse ausgelöst. Warum eigentlich? Es gab doch auch Police.

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Diesmal ohne Minirock. Bei einem Konzert in Jerusalem kam die Musik von Ordnungsamt so gut an, dass das Berliner Duo sein Programm gleich zweimal spielen musste, drei Stunden lang. Foto: Paul Zinken
Diesmal ohne Minirock. Bei einem Konzert in Jerusalem kam die Musik von Ordnungsamt so gut an, dass das Berliner Duo sein Programm...

Ihren größten Triumph hatten sie an einem heißen Abend in Jerusalem. Die Leute standen bis auf die Straße hinaus, weil drinnen die Hitze stand, und die zwei von Ordnungsamt spielten ihr Set gleich doppelt, drei Stunden lang.

Ordnungsamt, das sind Bettie Beschuht, 29, und Luc LeDuc, 40, ein Berliner Garagenrock-Duo, sie am Schlagzeug, er an der Gitarre, ein bisschen wie die White Stripes. Musikalisch erinnern sie aber mehr an Ideal aus dem Berlin der achtziger Jahre. Bettie und Luc singen meist auf Deutsch. Sie nennen ihre Musik „Mini-Rock“, weil Bettie bei Auftritten gerne Mini trägt und sie ja die abgespeckte Version einer Rockband sind. Seit 2005 machen sie zusammen Musik, im Januar haben sie ihre dritte Platte in Eigenproduktion herausgebracht. Wegen des Bandnamens kommt es oft zu Irrtümern, viele halten sie für eine Kabarett-Gruppe oder eine Spaß-Punkband.

Ordnungsamt und Rock ’n’ Roll, wie passt das zusammen? Der Name war Lucs Idee. Er hat sich nicht viel dabei gedacht, schließlich gab es vor Jahrzehnten schon die Briten The Police. Wie ihr Duo seien die Leute vom Ordnungsamt auch meist zu zweit unterwegs – oft ein Mann und eine Frau, sagt Luc. Und sehr streng seien sie beide auch. Zwar ist Bettie da nicht seiner Meinung, aber das ist normal so. Die beiden streiten dauernd, aber es komme auch viel Gutes dabei heraus, sagt Bettie. „Wir sind wie Jack Lemmon und Walter Matthau.“ Sie sind kein Paar, aber sie verbringen fast jeden Tag miteinander. Sie haben keinen Plattenvertrag, dennoch leben sie seit vier Jahren von der Musik. Laut Bettie ist es mehr ein Überleben. In manchen Monaten müsse sie eben „Ramadan machen“. Hunderte Konzerte haben sie gegeben, sind dabei bis nach Amerika und Südafrika gereist.

Irgendwie sei ihm mulmig gewesen in Jerusalem, nachdem er in der Altstadt all die religiösen Menschen gesehen hatte, sagt Luc. Bettie weiß es besser: „Du hattest eine Lebensmittelvergiftung.“ Vor acht Jahren haben sie sich kennengelernt, in einem illegalen Berliner Club, wo Luc als Bassist in einer 60er-Jahre-Coverband aufgetreten ist. Heute ist ihr gemeinsamer Arbeitsplatz Lucs Wohnung in Moabit. Hier ist ihr Büro und ihr Probenraum im kleinen Keller. In Berlin haben sie viel gespielt, im „White Trash“ in Prenzlauer Berg etwa, in der „Knochenbox“ in Friedrichshain und im vergangenen Jahr auf dem Myfest. Die Reisen ins Ausland, wie damals nach Südafrika, nennt Luc „Tourlaub“. Der beschert ihnen eher Verluste, immerhin kommen sie dabei viel herum.

Bettie gibt später zu, vielleicht doch ein bisschen die Strenge des Ordnungsamts in sich zu tragen, zumindest was die Disziplin betrifft. Sie arbeiten beide hart für die Band. Luc macht die Buchungen, er telefoniert regelmäßig mit Veranstaltern und bietet ihnen Auftritte an. „Wir haben ein Produkt und ich verkaufe das“" Mit Glamour und Rock ’n’ Roll hat das wenig zu tun. Wenn sie auf Tour gehen, wie jetzt im August für zwei Wochen in der Schweiz, dann packen sie Lucs Microvan voll. Manchmal schlafen sie in Hotels, oft aber auch beim Veranstalter oder sie kommen privat unter. Bei Auftritten schleppen sie ihr Equipment in den Club, bauen es selbst auf und nach dem Auftritt wieder ab. „Am schlimmsten ist das bei Schnee und Eis“, sagt Bettie. Es gibt keinen Alkohol und keine Zigaretten auf der Tour, nach den Konzerten bauen sie einen kleinen Stand auf und verkaufen dort ihre CDs. „Wir sind verrückt, dass wir das machen. Wir beuten uns selbst aus“, sagt Bettie. Ein Ende ist dennoch nicht in Sicht, dafür hängen sie beide zu sehr an ihrem selbstbestimmten Leben.

Im Ausland kommen sie oft am besten an. Einmal kam sogar ein Anruf aus Amerika. Ein US-Radiosender hat den Ordnungsamt-Song „Do you speak English“ ins Programm aufgenommen.

Am Sonntag, 26.8., spielen Ordnungsamt auf dem Weißenseer Blumenfest. www.ordnungsamt.org

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