• Auf drei U-Bahn-Linien werden ein halbes Jahr lang farbabweisende, schwer entflammbare Sitze getestet

Berlin : Auf drei U-Bahn-Linien werden ein halbes Jahr lang farbabweisende, schwer entflammbare Sitze getestet

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In Kampf gegen Schmierereien in der U-Bahn wollen die Berliner Verkehrsbetriebe künftig auf Sitze aus Sperrholz setzen. Bevor es so weit ist, werden die neuen Sitzschalen mit dem farbabweisenden, transparenten Lack sechs Monate lang auf den Linien U 1, U 2 und U 4 getestest. Am Freitag stellte U-Bahn-Direktor Ulrich Deinhardt die ersten Probeexemplare vor. "Das ist die erste Generation, wir werden im Probebetrieb herausfinden, was wir ändern müssen", sagte Deinhardt. Mögliche Änderungen betreffen zum Beispiel die Farbe der Lackierung, die künftig auch braun oder blau gewählt werden kann.

Wichtig ist der BVG die Meinung der Fahrgäste. Darum gibt es Befragungen, deren Ergebnisse bei der Gestaltung berücksichtigt werden sollen. Motto: Erst wenn die Mehrheit der Fahrgäste zustimmt, gehen die Holzsitze in Serie. Die Sitze bestehen aus gepresstem Sperrholz und laufen bei einem großen Hersteller in Westdeutschland in leicht geschwungener Form vom Band.

U-Bahn-Chef Deinhardt sagte gestern, die Sitzflächen und Rückenlehnen seien ergonomisch geformt. Eine Sitzprobe ergab jedoch, dass davon nicht die Rede sein kann: Man sitzt ziemlich unbequem auf einer harten und kalten Fläche. Der technische Abteilungsleiter Dieter Puls verteidigte gestern die Wahl des Materials: "Mit Lösungsmitteln können wir die Schmierereien entfernen, Kratzer lassen sich abschleifen. Aufschlitzen lässt sich hier nichts." Zudem sei das Material schwer entflammbar. Fest steht, dass die BVG die Kosten senken will, die durch Schmierereien und Kratzereien entstehen. 1998 gaben die Verkehrsbetriebe 2,8 Millionen Mark aus, um beschmierte, zerschnittene oder vollständig zerstörte Sitzbänke zu erneuern. Rund 14 000 gepolsterte Kunststoff- oder stoffbezogene Sitze mussten repariert und ersetzt werden.

Solange die neuen Holzsitze nur probeweise durch Berlin rollen, ist das für die BVG gratis. Setzt sich die Idee durch, würden 52 Sitze für einen Doppeltriebwagen 20 000 Mark kosten. 14 Millionen Mark müssten die Verkehrsbetriebe ausgeben, um alle 1400 Berliner U-Bahn-Wagen mit Holzsitzen auszustatten. Ein neuer Polstersitz kostet 600 Mark und damit etwa 200 Mark mehr als ein Sperrholzsitz. Bis zum Holz-Einsatz im regulären Fahrbetrieb ist es aber noch ein weiter Weg. Bestehen sie die "Probezeit", muss per Ausschreibung ein Hersteller ermittelt werden.

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