Berlin : Auf engem Raum unterwegs

Die Polizei will mehr Fahrspuren auf Straßen für Radler – auch um Fußgänger zu schützen

Werner Schmidt

In Berlin sind Radfahrer und Fußgänger meist auf engem Raum unterwegs – nur eine Linie trennt Rad- und Gehweg. Viele von ihnen ignorieren diese Linie einfach und kommen sich ins Gehege. Interessenverbände für Fußgänger und Radfahrer fordern deshalb eine striktere Trennung: Radwege sollen aus Sicherheitsgründen als extra Fahrspuren auf der Straße angelegt werden. Dazu findet am Sonntag eine Demonstration unter dem Motto „Respekt für Fußgänger – Radfahrer auf die Fahrbahnen“ statt. Die Polizei findet die Idee der Fahrstreifen – rund 55 Kilometer gibt es in Berlin, etwa 100 Kilometer sollen es einmal sein – ebenfalls gut: „Von den Autofahrern werden die Radfahrer auf der Straße früher und besser gesehen als auf Radwegen, auf die die Sicht durch parkende Autos eingeschränkt wird“, sagte Wolfgang Klang von der Verkehrspolizei. Die meisten Radfahrunfälle geschehen, wenn Autos abbiegen. Aber auch die Fußgänger wären durch eine Trennung der Wege besser geschützt. Im vergangenen Jahr wurden 159 Zusammenstöße zwischen Radlern und Fußgängern aktenkundig, in allen Fällen waren laut Klang die Radfahrer schuld. 24 Passanten und 39 Radfahrer erlitten schwere Verletzungen. Eine Auswertung der genauen Unfallursachen erfolgte nicht.

Auch die Stadtentwicklungsverwaltung setzt sich für die Fahrstreifen für Radfahrer ein. Im Augenblick werden dort die Unfallzahlen der letzten Jahre ausgewertet, um Unfallschwerpunkte herauszufinden, sagte Joachim Krey. Spätestens Ende des Monats soll der Bericht vorliegen. Dann werden Strategien entwickelt, um diese Unfallschwerpunkte zu entschärfen.

Eine Registrierung der Fahrräder wie in der Schweiz, wo Räder versichert sein und ein Kennzeichen haben müssen, ist in Deutschland schwer durchzusetzen. Zu groß wäre der Verwaltungsaufwand, zu gering der Erfolg, meint Klang. In der Schweiz könne im Fall eines Unfalls der Eigentümer des Rades zur Haftung herangezogen werden. In Deutschland hätte ein Radler, der nach einem Unfall geflohen ist, gute Chancen, ungestraft davon- zukommen. Er müsste nur behaupten, er sei nicht gefahren, sagte Klang.

Die Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern seien kein „generell großes Sicherheitsproblem“, sagte Stefan Kohte vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Dennoch müssten die Fahrradfahrer dort fahren, wo sie Fußgänger weder gefährden noch belästigen. In Berlin gebe es noch immer zu viele Radwege an der falschen Stelle: Auf der Schönhauser Allee bummeln viele Passanten und hier verläuft der Radweg auf dem Gehweg. Viele Fußgänger empfänden die Radler als Bedrohung, ohne dass sie tatsächlich eine Gefahr darstellten. Die Demonstration am Sonntag beginnt um 14 Uhr auf dem Alexanderplatz. Gemeinsam ziehen Radler und Fußgänger bis zur Friedrichstraße.

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