Berlin : Auf Entzug

Andreas Conrad

Jetzt ist guter Rat teuer, ein konstruktiver Vorschlag zur Gestaltung des Alltags. Zehn Tage Berlinale, das waren zehn Tage im Paralleluniversum des Festivals, zwischen Filmen und Partys. Vogelgrippe – na und? In Filmtheater regnen keine toten Schwäne von der Decke. Olympische Spiele in Turin? „Bye, bye Berlusconi“ war uns Italien genug. Entzugserscheinungen deuten sich jetzt aber an, panisch wird die Fernbedienung des Fernsehers gesucht, die Ersatzdroge für zwischendurch. Jeden Abend ins Kino kann man sich auf Dauer doch nicht leisten. Und noch eines sei beklagt: So tief wie während des Festivals wird der Schlaf erst in einem Jahr wieder sein. Nein, nein, das war nicht im Kino, vielmehr in der U-Bahn, irgendwann nach Mitternacht. Der Zug nach Krumme Lanke, wo alles aussteigen muss und die Waggons zum Wenden in einem finsteren Loch verschwinden. Diesmal geschah das in schönstem Schlummer, erst auf der Fahrt zurück, etwa am Fehrbelliner Platz, kam das langsame Erwachen. Und bis es dämmerte, warum die Stationen plötzlich verkehrt herum abliefen, war der Nollendorfplatz erreicht. Endstation! Selbstverständlich war es der letzte Zug des Tages.

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