Berlin : Auf Ex

Werner van Bebber

gönnt Politikrentnern den Ruhestand Schrecklich, wenn Politiker sich zu Tode regieren. Besser ist es, wenn sie als Ex-Minister oder Regierender a. D. mit gebräunten Gesichtern auf Podien sitzend oder Vorträge haltend Leistung und Lebenswerk darstellen. Nur Diktatoren hören mit dem Regieren nicht auf. Aber gebräunte Gesichter und erkennbare Daseinsfreude bei Ex-Regierenden führen manchmal dazu, dass Parteifreunde oder Parteifeinde sich fragen, wie es wäre, wenn sich so ein Politrentner noch mal bewähren müsste. Bis vor ein paar Tagen sahen sie Eberhard Diepgen dabei zu, wie er mit leicht gebräuntem Gesicht und erkennbarer Daseinsfreude in Vorträgen an die großen Zeiten der Berliner CDU in den 80er und 90er Jahren erinnerte. Diepgen grinste und schwieg, wenn er gefragt wurde, ob er politisch noch etwas vorhabe. Bei Leuten, die diese Frage mit Grinsen und Schweigen beantworten, vermutet man im Allgemeinen, sie wollten in den Bundestag. Dann fand sich Diepgen auf dem Titelblatt der größten Berliner Boulevardzeitung: Der Ex-Regierende vor dem Comeback als – ja was? Wowereit-Schreck? Oder als Zeller-Schreck, nach dem Motto: Der arme CDU-Landeschef hat keinen Besseren? Diepgen dementierte umgehend. Man soll es mit dem Regieren nicht übertreiben.

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