Auf Grill-Streife : Hoch zu Rost

Es ist Grillsaison: Die Müllberge türmen sich in den Parks. Was die Leute vom Ordnungsamt auf ihrer Grill-Streife im Tiergarten erleben.

Rita Nikolow
Grillen
Sobald die Sonne ein wenig wärmt, gehört das Brutzeln im Park zur Hauptstadt wie Eis am Stiel. -Foto: dpa

CDU-Mann Joachim Zeller sieht aus, als wäre er gerade von seinem Europa-Wahlplakat heruntergestiegen. Mittes Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Immobilien und das Ordnungsamt schaut auch genauso grimmig, als er erzählt, was es kostet, den Müll zu beseitigen, den die Griller im Tierpark hinterlassen – die 15 Tonnen des Osterwochenendes haben den Bezirk rund 15 000 Euro gekostet. „Das ist viel für einen armen Bezirk wie Mitte“, sagt Zeller. Und auch, dass er die von der CDU-Fraktion vorgeschlagene „Grillabgabe“ von fünf Euro für jeden Grillplatz für „überlegenswert“ hält.

Der Stadtrat verabschiedet sich, und Harald Strehlow, der Chef des Ordnungsamtes in Mitte, erklärt den zum Ortstermin gekommenen Journalisten, dass seine Mitarbeiter – 43 hat er in Mitte für den Außendienst zur Verfügung – in Zweierteams durch den Tiergarten laufen. Häufig auch zusammen mit zwei Polizeibeamten vom Abschnitt 34, sozusagen in einer „konzertierten Aktion“.

Uwe Lüttich ist Stadtsekretär, was nicht zu verwechseln ist mit einem Staatssekretär. Denn Uwe Lüttich arbeitet beim Ordnungsamt. An diesem Sonnabend läuft er gemeinsam mit einem Kollegen die Spätschicht durch den Tiergarten und durch das dort ausgewiesene Grillgebiet, das es seit Januar 2008 gibt – mitsamt einer Grillordnung, deren Einhaltung die Ordnungsamtler ebenfalls kontrollieren.

Es ist frühsommerlich warm, aber richtig viel los ist an diesem Nachmittag nicht. Einzelne Kronkorken liegen auf dem Boden, außerdem ein paar Menschen, die sich auf Decken ausgebreitet haben, und warten, dass das Fleisch durch ist. Die beiden Ordnungsamtler steuern auf eine Familie zu, die aufgegessen und hat und gerade zusammenpackt. „Denken sie daran, den Müll mitzunehmen“, sagt einer, und die Frau wird sehr schnell ziemlich sauer: „Wir nehmen unsere Sachen immer mit, wir sind doch keine kleinen Kinder.“

Es ist schwierig für die Männer, einen Griller genau in dem Moment zu erwischen, in dem er sich aus dem Staub macht, und seinen Müll auf der Wiese liegen lässt. „Und der Ton wird in letzter Zeit rauer“, sagt auch der Polizeibeamte Michael Schöne. Eine Wiese weiter grillt eine Festgesellschaft: Den Müll hat die Gruppe vorbildlich in einer gelben Plastiktüte verstaut. Aber Uwe Lüttich muss die Feiernden trotzdem stören: Denn die Grills sind größer als laut Grillordnung erlaubt, und sie stehen zu nah am nächsten Baum. Rita Nikolow

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