Berlin : Auf Ingwers Schneide

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Gastro-Guru? Restaurant-Papst? Fragwürdige Titel sind in Massen gehäuft worden auf das Haupt von Wolfram Siebeck; auf jeden Fall ist er ein Ingwer-Anbeter – deshalb stand sein diesjähriger Kochwettbewerb in der „Zeit“ auch im Zeichen des fernöstlichen Gewürzes. Und weil es für Fans nur eine schönere Sache als das Kochen gibt, nämlich das Reden übers Kochen, zieht nun der Tross der Halbfinalisten und Juroren übers Land, um allenthalben die regionalen Vorentscheidungen zu verkünden über die Tausende von eingeschickten Rezepten. Am Dienstag im „Swissotel“ wurde es ernst für vier Hobbyköche aus Berlin und eine aus Leipzig. Sie mussten der Jury mit Hans-Peter Wodarz und Sandra Maischberger vorkochen und beweisen, dass ihre Rezepte nicht nur auf dem Papier funktionieren. Dieser Beweis gelang der Leipziger Architektin Anna Dilengite, einer gebürtigen Sizilianerin, am besten, obwohl sie beim Kochen mehrmals am Rande des Nervenzusammenbruchs stand. Vor allem ihr Ricottasoufflée mit Ingwer und Orangen-Zitronensauce muss die Jury dann aber doch außerordentlich bezirzt haben: Erster Preis für sie und damit die Teilnahme am Hamburger Finale. Am Abend durften sich die Amateurköche dann ganz entspannt an den gedeckten Tisch setzen, denn da servierte die Küche des Hauses unter Marco Schwerin ein Menü aus ihren Rezepten: Zucchini-Scheiben mit Ingwer auf Ziegenjoghurtsauce mit Koriander, Linguini mit Zucchini und Muscheln, Rascasse in Ingweröl confiert und schließlich Erdbeeren mit weißer Mousse au chocolat light. Siebeck betonte genüsslich das jugendliche Alter der Teilnehmer - 30 bis 42 Jahre – und zog daraus einen hoffnungsfrohen Schluss: Die Kochkunst sei noch nicht vollends an die Fast-Food-Industrie verloren. bm

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