Berlin : Auf Nummer sicher

Terrordrohung: Polizei sperrt Amerikahaus, die US-Konsularabteilung und ein amerikanisches Einkaufszentrum

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Nach den Terrordrohungen gegen die israelische und die USBotschaft wurden gestern amerikanische Einrichtungen in Berlin gesperrt: Die Konsularabteilung der US-Botschaft in Zehlendorf sowie das Kulturzentrum „Amerikahaus“ an der Hardenbergstraße sollen geschlossen bleiben, bis die Herkunft der Drohungen aufgeklärt ist.

Auch an anderer Stelle in Berlin wurden die Sicherheitsvorkehrungen ausgedehnt. In Lichterfelde sperrte die Polizei ein amerikanisches Einkaufszentrum. Der Supermarkt ist nur noch für Fußgänger zu erreichen. An der israelischen Botschaft an der Auguste-Viktoria-Straße in Schmargendorf unterstützten israelische Sicherheitsbeamte die Polizisten. Besucher wurden von Sicherheitskräften in das Gebäude geführt. Wie berichtet, hatten US-Geheimdienste am Mittwoch die Berliner Behörden über die Drohung informiert. Daraufhin wurden die Gebäude abgeriegelt.

Der Bereich um die israelische Botschaft ist für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Allerdings gelangt man ungehindert auf das Gelände des Tennis-Clubs Grunewald bgegenüber. Der Platzwart sagte gestern, nach den Anschlägen vom 11. September und auch nach einer Warnung im vergangenen Jahr hätten die Sicherheitsvorkehrungen auch den Club getroffen. Damals habe die Polizei um eine Liste der Mitglieder gebeten. Diese durften nur nach Ausweiskontrollen in den Club. Das sei jetzt nicht der Fall.

Nicht alle hochrangigen Polizeiführer teilen die Bewertung des Landeskriminalamtes (LKA). Einige sind der Auffassung, dass die Drohung „aller Wahrscheinlichkeit nach eine Ente“ ist, die aus Rücksichtnahme gegenüber den sehr empfindlichen Amerikanern jedoch von den deutschen Behörden sehr ernst genommen werde. „Wir müssen guten Willen zeigen“, hieß es. In der Polizeiführung rechnen viele damit, dass sich die Geheimdienstmeldungen bald als nicht zutreffend herausstellen werden.

Die Zufahrt zur US-Botschaft an der Neustädtischen Kirchstraße in Mitte ist schon seit den Anschlägen vom 11. September nicht mehr möglich. Betonpoller versperren die Wege, bewaffnete Wachpolizisten, die seit Mittwoch von Bereitschaftspolizisten unterstützt werden, sichern die Zugänge. Für Fußgänger und Radfahrer allerdings ist der Weg offen. Auch die Cocktail-Bar „Windhorst“ ist nach Auskunft eines Mitarbeiters zu erreichen. Sie liegt Wand an Wand mit der Botschaft und befand sich bis August 2002 im Sperrgebiet. Die US-Botschaft in Damaskus hatte einen in arabisch abgefassten Brief mit den Terrordrohungen erhalten. Diese waren über das Bundeskriminalamt in Wiesbaden an die Sicherheitsbehörden in Berlin weitergeleitet worden. Der Chef des Berliner Landeskriminalamtes, Peter-Michael Haeberer, sprach von „konkreten Hinweisen“ in dem Schreiben. Deshalb werde die Drohung auch sehr ernst genommen. Er widersprach Gerüchten, wonach in dem Brief die Anschläge für den Zeitraum vom 29. bis 31. Januar angekündigt worden seien. Angeblich plant ein in dem Brief namentlich genannter arabischer Einzeltäter, der über Polen nach Deutschland reisen soll, einen Anschlag mit einer Autobombe. Er habe jedoch einen „arabischen Allerweltsnamen, der so häufig ist wie Fritz Müller in Deutschland“, sagte ein Skeptiker aus der Polizeiführung. Ha/weso

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