Berlin : Auf S-Bahnhöfen sollen Kameras das Personal ersetzen

Das Unternehmen will sparen: Mitarbeiter sind künftig nur noch auf wenigen Stationen vorgesehen

Klaus Kurpjuweit

„Ziel ist es, alle Berliner Bahnhöfe mit Personal zu besetzen.“ So heißt es im 2001 abgeschlossenen Koalitionsvertrag von SPD und PDS. Nun zwingt der Senat die S-Bahn dazu, Personal von den Bahnhöfen abzuziehen, um Kosten zu sparen. Auf den 164 Stationen wird dann häufig kein Mitarbeiter mehr zu sehen sein – wie es die BVG bereits seit Jahren bei der U-Bahn praktiziert. „Natürlich wird darunter auch die Sicherheit leiden“, gibt man bei der S-Bahn zu. Laut sagt man es aber nicht.

Im neuen Verkehrsvertrag, auf den sich der Senat nach jahrelangen Auseinandersetzungen um die Höhe der Zuschüsse jetzt mit Bahnchef Hartmut Mehdorn geeinigt hat, hat das Land den Preis um 26 Millionen Euro pro Jahr gedrückt. Außerdem hält der Senat weitere 22 Millionen Euro zurück, weil er den vom Bereich Netz der Bahn geforderten Preis für die Nutzung der Gleise und Bahnhöfe für zu hoch hält. Kommt es zu keiner Einigung, muss ein Gericht die strittige Frage klären. Insgesamt bekommt die S-Bahn jährlich 234 Millionen Euro als Zuschuss.

Doch so oder so – für die S-Bahn ist klar, dass sie nun sparen muss. Schon lange hat sie die Absicht, die Zugabfertiger auf den Bahnsteigen zu ersetzten; wie bei der U-Bahn sollen die Triebfahrzeugführer ihre Züge selbst abfertigen. Doch dafür fehlen bisher die technischen Voraussetzungen. Weil der neue Vertrag jedoch eine extrem lange Laufzeit von 15 Jahren hat, gibt es für die S-Bahn nun die lange gewünschte Sicherheit für Investitionen, die sich über die Laufzeit des Vertrags abschreiben lassen.

So können nun verstärkt Bahnhöfe mit Kameras ausgestattet werden, über die sich die Bahnsteige auch von der Ferne aus überwachen lassen. Personal ist dann nicht mehr erforderlich. Es soll nur noch auf wenigen „Stammbahnhöfen“ präsent bleiben und von dort per Kamera und Bildschirm die benachbarten Stationen mit überwachen. Auf wenigen Bahnhöfen wird dieses System bereits praktiziert. Es werde aber sichergestellt, dass Personal jeden Bahnhof schnell erreichen könne, wenn dies erforderlich sein sollte, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz.

Auch bei der U-Bahn hatte der Druck des Senats, die Kosten zu senken, dazu geführt, dass die BVG ihr Personal von den meisten Stationen abgezogen hat. Die BVG hat so zwar Personalkosten gespart, doch nun muss sie auch viel Geld aufwenden, um Vandalismusschäden zu beseitigen. Sogar die Zahl der Einbrüche in Kioske auf den Bahnsteigen hat nach Tagesspiegel-Informationen zugenommen.

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