Berlin : Auf Streife gegen Alkoholmissbrauch

In Charlottenburg-Wilmersdorf gab es erste konzertierte Aktion von Bezirk und Polizei. 250 Personen wurden in Kneipen überprüft

Sabine Beikler

Nachdem er 50 Tequila getrunken hatte, fiel Lukas W. Ende Februar im mittlerweile geschlossenen „Eye T“ in Charlottenburg ins Koma. Einen Monat später war der 16-Jährige tot. Ein tragischer Fall unter vielen: Alkoholexzesse bei Jugendlichen sind an der Tagesordnung. Erst in der Nacht zu Montag kam eine 14-Jährige aus Pankow mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Jugendliche hatten sie auf einem Spielplatz entdeckt. Die Bezirke vereinbarten im Juli, mit schärferen Kontrollen gegen Alkoholmissbrauch vorzugehen. In der Nacht von Freitag zu Sonnabend fand die erste konzertierte Aktion von Jugend- und Ordnungsamt und der Polizei auf Bezirksebene in Charlottenburg-Wilmersdorf statt. Mehr als 250 Personen wurden kontrolliert.

Zwischen 22.30 Uhr und ein Uhr besuchten drei Bezirksmitarbeiter, fünf Polizisten und zwei Mitarbeiter vom Gewerbeaußendienst des Landeskriminalamtes vier Gaststätten zwischen Wilmersdorfer und Pariser Straße. „Sie ließen sich Ausweise zeigen und kontrollierten den Ausschank von Alkohol an Gäste“, sagte Marc Schulte, SPD-Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Ordnungsangelegenheiten in Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Ergebnis war erfreulich: „Es wurden keine Verstöße gegen den Jugendschutz festgestellt“, sagte Schulte. Der Stadtrat gibt aber zu, dass bei dieser ersten Aktion Diskotheken und Kneipen ausgewählt wurden, bei denen „keine großen Überraschungen“ zu erwarten gewesen seien. Namen nannte Schulte nicht. Aber: Es werden bald weitere Kontrollen folgen – auch in anderen Bezirken.

Künftig sollen die Ordnungsämter die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zwar verstärkt kontrollieren. Doch gibt es arbeitszeitrechtliche Bedenken: Die Rahmenarbeitszeit der 425 Mitarbeiter der Ordnungsämter liegt zwischen 6 und 22 Uhr. „Und es macht doch wenig Sinn, vor 22 Uhr in Diskotheken zu kontrollieren“, sagen Schulte und Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). Deshalb wurden bei der Kontrolle am vergangenen Freitag auch leitende Beamte der Behörde eingesetzt, für die die Arbeitszeitregelung nicht gilt. Der Hauptpersonalrat wird demnächst über eine Neuregelung der Arbeitszeiten für Ordnungsamtsmitarbeiter beraten.

Vergangene Woche hat der Senat den Bezirken 88 weitere Stellen im Ordnungsdienst zugesagt, die mit Mitarbeitern aus dem Stellenpool besetzt werden sollen. Die Bezirke klagen jedoch, dass oftmals Mitarbeiter für die Tätigkeiten nicht geeignet seien oder „wenig Bereitschaft zeigen, im Schichtdienst zu arbeiten“, sagen die Bezirksstadträte Schulte und Thomas Ruschin (CDU) aus Reinickendorf. Außerdem dauere es viel zu lange, bis Mitarbeiter aus dem Stellenpool den Bezirken vorgeschlagen werden. Von den Beschwerden der Bezirke sei der Senatsfinanzverwaltung nichts bekannt, sagt Sprecherin Kristina Tschenett. Außerdem sollte es doch möglich sein, von den 4300 Mitarbeitern im Stellenpool 88 geeignete Kandidaten für die neuen Stellen beim Ordnungsdienst zu finden.

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