Berlin : Auf Streife kommen ihm die besten Ideen für seine Gags

Bernd Krolls Schauspielschule ist der Polizeidienst. Bei „Star Search“ ist er zwar sofort rausgeflogen, an seiner Karriere als Comedy-Künstler will er weiter arbeiten. Erste Angebote gibt es bereits

Tanja Buntrock

Man müsse immer den Moment genießen, sagt Bernd Kroll. So, wie damals, als er zu Besuch im Haus seines Freundes und Profi-Bodybuilders Ralf Möller in Los Angeles war. Da sei plötzlich Arnold Schwarzenegger mit seinem schwarzen 600er Mercedes vorgefahren, um seinem Kumpel Möller einen Besuch abzustatten. Und weil Möller plötzlich weg musste, stand Bernd Kroll nun alleine vor der Einfahrt, um den „Terminator“ zu begrüßen. Tja, was sagt man da in so einer Situation? „Hallo Arnie!“? Oder „Tach, Arnold, wie geht’s denn so?“ Oder lieber ganz förmlich „Herr Schwarzenegger…“?

Bernd Kroll, 36 Jahre und hauptberuflich Polizist in Berlin, erzählt genüsslich. Seine braunen Augen formen sich beim Grinsen zu Schlitzen, sein T-Shirt spannt sich unter seinem Bizeps. „ Aber der Arnie hat sich als super locker entpuppt“, sagt Kroll. Seither sehe man sich immer mal wieder bei verschiedenen Veranstaltungen. Doch von seinem Auftritt bei der Talentsuch-Show „Star Search“ auf Sat1 hat der Berliner Polizeiobermeister und Deutsche Vizemeister im Bodybuilding dem Arnie dann doch nicht erzählt. „Ich hab’s überlegt, aber ich wollte erst einmal sehen, wie weit ich komme.“

Kroll ist in der Kategorie „Comedian“ angetreten und gleich in der ersten Runde rausgeflogen: Nur 3, 3, 4 und 2 Punkte hat er von den Jury-Mitgliedern Alexandra Kamp, Barbara Salesch, Jeanette Biedermann und Hugo Egon Balder bekommen. „Das war wie ein Todesurteil“, sagt Kroll. Für ihn selbst sei sein Auftritt als „Achim, der Straßenfeger“ keine persönliche Niederlage gewesen. Seine Freunde und die Kollegen auf seiner Dienststelle, dem Abschnitt 65 in Treptow, hätten die Jury-Entscheidung als ungerecht empfunden: Er sei doch viel, viel besser gewesen als sein Kontrahent. „Aber ich konnte für mich sagen, dass ich mein Bestes gegeben und einen guten Auftritt hingelegt habe. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.“

Und schließlich sterben die Figuren „Achim, der Straßenfeger“, „Unal, der türkische Kellner“ und der „Bayernsepp“, die er extra für das Casting im Mai im Hotel Steigenberger geschrieben hat, nicht. „Ich werde sie in mein Programm einbauen.“ Denn Kroll tritt nicht erst seit „Star Search“ als Komödiant auf. Schon seit mehreren Jahren performt Kroll mit seinem Kumpel Oliver Hardt als Comedy-Duo „Achim und Klaus – Die Großstadthelden“. In „Ediths Talentschmiede“ im Quatsch Comedy Club, im „Chamäleon“ in den Hackeschen Höfen, in der „Scheinbar“ in Schöneberg, aber auch auf Firmenfeiern geben Kroll und sein Partner die beiden Streifenpolizisten. Da nimmt dann Kroll, der jahrelang als Sportlehrer seine Kollegen aus- und fortgebildet hat, seinen Berufsstand aufs Korn. „Aber ich ziehe die Polizei nicht etwa in den Dreck. Dann würde mir meine künstlerische Nebentätigkeit, die ich als Beamter haben darf, untersagt.“

Kroll sagt, der Polizeidienst sei sowieso die beste Schauspielschule. Weil er da so viel erlebt „auf Streife im Funkwagen“. Er notiert sich Situationen, kleine Begebenheiten am Einsatzort, spricht sie in sein immer aufnahmebereites Diktiergerät und setzt sich abends an den Computer. Dann passiert’s, dass er einen Satz schreibt für einen Sketch, und der wirkt dann, wie er da so steht, plötzlich gar nicht mehr witzig. „Ich füge hinzu, lösche, ergänze, irgendwann passt es dann“, erklärt Kroll. Angst, dass die Lacher wegbleiben, habe er keine. „Mittlerweile weiß man, was immer geht, was ankommt.“

Außer eben bei der Star-Search-Jury. Und trotzdem: Nach dem Auftritt hätten sich verschiedene Produktionsfirmen bei ihm gemeldet, die ihn für diese oder jene Rolle casten wollen. Von einer neuen Polizeiserie sei die Rede gewesen. „Aber da ist noch nichts Konkretes zu sagen. Ich schau mir das erst einmal in Ruhe an, was die von mir wollen“, erklärt Kroll professionell.

Zunächst will er wieder seinen einst perfekt mit Eisen aufgepumpten Körper „auf Linie“ bringen: Kroll, 1,73 Meter groß und 100 Kilo schwer, hatte in letzter Zeit kaum Gelegenheit, richtig zu trainieren. Nach der ganzen Star-Search-Hektik hat er dazu vielleicht bald wieder mehr Gelegenheit. Aber die eigene Comedy-Show, die für den Gewinner der Show bestimmt ist, hätte er auch gern gehabt, sagt Kroll. Mit allen Konsequenzen: „Klar, wär’ ich dabei geblieben. Hätt ich etwa sagen sollen, ich fahr’ lieber Funkwagen?“

Bernd Kroll tritt mit seinem Partner als Achim und Klaus am 23. und 24. August sowie am 14. und 18. September um 20 Uhr im „Scheselong“, Wilsnacker Straße 61 auf.

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