Berlin : Auf Trotzkis Spuren

Sozialistische Kunst und Aufbruchstimmung: Auch Berlins Kultursenator Thomas Flierl fühlte sich in Mexiko zu Hause

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Thomas Flierl war zum ersten Mal in Lateinamerika. Der sonst so ernsthafte, stille Berliner Kultursenator blühte in den acht Tagen in Mexiko richtig auf. Er lächelte vor sich hin, freute sich. „Es ist gut, dass der mal rauskommt“, sagte Wowereit mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Flierl hat das Kulturprogramm genossen, das ihm geboten wurde: Vom Templo Mayor und dem Anthropologischen Museum über das HumboldtMuseum und Frida-Kahlo-Haus bis zu Theater- und Opernbesuchen ließ er nichts aus. Und vor allem haben es ihm die „Murales“ angetan. Das sind jene riesigen Fresken an vielen öffentlichen Gebäuden Mexikos, die den Maler Diego Rivera seit den zwanziger Jahren in aller Welt berühmt gemacht haben. Rivera war Kommunist und hat in prächtigen Farben und mit großem Pathos das Elend und die Hoffnungen des Volkes gemalt.

„So etwas wurde auch in der DDR versucht, beeinflusst durch die sozialrevolutionäre mexikanische Kunst“, sagte der PDS-Mann Flierl. Aber das war eben Staats- und nicht Volkskunst. Flierl ist kein DDR-Nostalgiker, aber überall begegneten ihm in Mexiko solche Parallelen.

Bei einem Abendessen mit jungen Bezirksbürgermeistern der links-sozialdemokratischen PRD, die sich vor ein paar Jahren von der alten Staatspartei abtrennte, erinnerte er sich an die Aufbruchstimmung, die 1989 in Ostdeutschland und danach in der PDS herrschte.

Ein paar Mal lässt sich der Kultursenator sogar mit gereckter Faust fotografieren, aber das wirkt ungeübt. Ein proletarischer Kämpfer war er nie. Aber immer ein überzeugter Linker. Da wundert es nicht, dass Flierl auch die Gedenkstätte für Leo Trotzki in Mexiko-City besuchen wollte. Dort lebte der Dissident im Exil, Stalin ließ ihn 1940 mit dem Eispickel ermorden. Im Garten hinter Trotzkis Wohnhaus weht immer noch die rote Fahne mit Hammer und Sichel. Diese Relikte einer vergangenen Zeit in Verbindung mit dem politischen Aufbruch im sich allmählich demokratisierenden Mexiko faszinierten Thomas Flierl sehr. So sehr, dass er jetzt die zarten Bande zwischen Berlin und dem fernen Land fester knüpfen will. Künftig sollen gemeinsame Ausstellungen organisiert werden, und Flierl will sogar mithelfen, dass Mexiko-Stadt Bibliotheksbusse bekommt.

Die Kulturschaffenden in den Berliner Bezirken würde sich sicherlich auch sehr freuen, wenn sich der Kultursenator für sie derart engagieren würde. za

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