Berlin : Auf und Ab am Leipziger Platz: Bauherr darf nun doch höher hinaus

Mosse-Palais: Abgerissene Etagen kommen wieder drauf. Auch Kant-Dreieck wächst

Matthias Oloew

Es war das umstrittenste Haus am Leipziger Platz, Verwaltungsrichter nannten es den „größten Schwarzbau Berlins“ – jetzt wird am Mosse-Palais wieder gebaut. Zur Voßstraße erhält der Bau nun seine ursprünglich geplanten Sockelgeschosse und auch der Mittelbau, an dem sich damals der Streit entzündete, erhält jetzt drei zusätzliche Etagen. Vor sieben Jahren mussten bereits fertig gestellte Teile des Hauses abgerissen werden. Die Aufstockung des Mosse- Palais ist ein Beispiel dafür, dass an markanten Stellen in Berlin höher gebaut werden darf. Ähnliches gilt für das Haus am Kant-Dreieck in Charlottenburg und das Wohn- und Geschäftshaus an der Potsdamer Brücke in Tiergarten.

Die Baugeschichte des Mosse-Palais liest sich wie eine besonders billige Provinzposse. Das Bezirksamt Mitte verfügte 1996 einen Teil-Abriss, weil der Bauleiter mehr Geschosse im Querriegel zwischen Vorder- und Hinterhaus errichtet hatte, als ihm genehmigt worden waren. Damit lag er über der zulässigen Geschossflächenzahl, die für das Mosse-Grundstück seinerzeit auf 5,4 festgelegt war. Die Geschossflächenzahl legt das Verhältnis zwischen Grundstücksgröße und Nutzfläche im Gebäude fest. Die Haltung des Bezirks wurde nicht nur vom Senat gestützt, sondern auch vom Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht, die das Mosse-Palais als Schwarzbau werteten. Weil sich Bauleiter und Bezirk nicht einigen konnten, drohte die damalige Baustadträtin damit, die feierliche Eröffnung der Büros des American Jewish Committees, das seine Berliner Dependance im Mosse-Palais bezog, platzen zu lassen. Der Streit war auf dem Höhepunkt.

Es kam zum Kompromiss: Die unerlaubten Querriegel können stehen bleiben, wenn im Gegenzug vom Hinterhaus bereits im Rohbau fertig gestellte Etagen wieder abgetragen werden. Das sah besonders von den Ministergärten und dem künftigen Gelände des Holocaust-Mahnmals bemerkenswert aus: ein gestutztes Mosse-Palais, das nicht so hoch ausgefallen ist wie die Nachbargebäude, die inzwischen errichtet worden waren. Es entstand eine weniger schöne Bau-Lücke.

Sieben Jahre nach dem Rechtsstreit sind andere mit dem Bau beschäftigt. Der Hausherr, die Hoechst Pensionskasse, hat die Bauleitung übernommen, und seitens der Stadt ist nicht mehr der Bezirk, sondern die Senatsbauverwaltung federführend. Beide Parteien waren sich schnell einig: Die Baulücke muss weg, und auch der einst so umstrittene Querriegel darf jetzt aufgestockt werden. So sind die Flächen besser zu vermarkten, weil Büros im Vorder- und Hinterhaus auf der gleichen Etage miteinander verbunden werden können. Auch am behördlichen Zankapfel, der Geschossflächenzahl, entzündete sich kein Streit mehr – die Nachbarn haben nämlich allesamt mehr bekommen, da durfte auch das Mosse-Palais mehr bauen. Im Oktober soll das Haus nun endlich fertig sein – achteinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung.

Kompromissbereitschaft zeigt sich auch an zwei anderen Stellen. Am Kant-Dreieck hat der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf seine starre Position aufgegeben, sodass auf das elfstöckige Gebäude vier weitere Geschosse gebaut werden dürfen. Am Donnerstag sprachen die Bauherren von der Eigentümergesellschaft KapHag darüber mit dem Architekten Paul Kleihues. Ein Baubeginn steht noch nicht fest, wohl aber, dass das Segel auf dem Dach erhalten bleiben soll. Auch an der Potsdamer Brücke konnte der Bauherr problemlos zusätzliche Geschosse auf ein denkmalgeschütztes Haus aus den 30er Jahren bauen – der Bezirk Mitte hatte ein Einsehen mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Eigentümers und sieht darüber hinaus die Potsdamer Straße durch eine Tor-Situation aufgewertet.

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