Berlin : Auf Zehenspitzen die Bühnenwelt erobern

Die Staatliche Ballettschule Berlin in Prenzlauer Berg lädt am Tag der Architektur ein

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Hier sitzen sie mal: Schüler im 24-Millionen-Euro-Neubau. Foto: Klaas
Hier sitzen sie mal: Schüler im 24-Millionen-Euro-Neubau. Foto: Klaas

Es ist, als wollten die angehenden Tänzerinnen und Tänzer alles auf einmal zeigen: ihr Können, ihre Freude am Tanzen, ihr Rhythmusgefühl – und natürlich das neue Haus der Staatlichen Ballettschule Berlin. In strahlendem Weiß steht „die schönste Schule Berlins“ (Senatsbaudirektorin Regula Lüscher) auf einer Wiese in der Erich-Weinert-Straße, mitten in Prenzlauer Berg.

Mit einem Tag der offenen Tür eröffnet die Schule am Sonnabend ihren Neubau. Keine Geringeren als die Architekten des Hauptbahnhofs, Gerkan, Marg und Partner, hatten den anonymen Wettbewerb für einen 24 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau der 60 Jahre alten Einrichtung gewonnen. „Nun haben wir das modernste, größte und am besten ausgestattete Ballettausbildungszentrum in unserem Lande“, sagt Schulleiter Ralf Stabel selbstbewusst. Die Ausbildung beginnt mit der 5. Schulklasse und dauert neun Jahre. Darin enthalten ist ein dreijähriger Bachelor-Studiengang Bühnentanz. Die Schüler lernen also mehr als nur Ballett. Der Stundenplan der Nachwuchstänzer sieht zum Beispiel so aus: Auf zwei Stunden Englisch folgen zwei Stunden Training und danach Philosophie-Unterricht. Anschließend studieren die Tänzer Variationen ein, um ihr Repertoire zu erweitern, und müssen dann noch einmal zum Schulunterricht in Chemie und Mathe.

Beim Tag der offenen Tür zeigen die Studierenden, wie der Unterricht und die Mühsal der Probenarbeit in den Sälen voller Spiegel und Stangen ablaufen – und auch, wie sie mit Lampenfieber und Nervenkitzel bei Gala-Auftritten fertig werden. Die Neubau-Feier ist gleichzeitig eine Abschiedsvorstellung für jene zwölf der 222 Schüler, die nun mit ihrem Abschlusszeugnis und dem Bachelor of Arts in die Welt hinaustanzen. Eine von ihnen ist Lisa aus Münster. „Es war eine schöne, manchmal auch harte Zeit“, sagt sie. Seit acht Jahren hat sie an der Schule gelernt. Nun hat ihr das Berliner Staatsballett einen Vertrag angeboten.

Von solchen Zielen kann die 17-jährige Alisa im Moment nur träumen. Sie wünscht sich, „erfolgreich zu sein und dann einen guten Job zu finden“. Der künstlerische Leiter der Schule, Kammertänzer Gregor Seyffert, macht sich da keine Sorgen. Er ist stolz darauf, dass Absolventen in nahezu allen professionellen Ensembles in Deutschland und weltweit tanzen. Das alles steht den jungen Tänzern noch bevor. Sie erobern sich gerade die Bühnenwelt. Auf Zehenspitzen. Lothar Heinke

Heute von 10 bis 17 Uhr: Tag der offenen Tür der Staatlichen Ballettschule Berlin, Erich-Weinert-Straße 103 in Prenzlauer Berg.

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