Berlin : Auf zu dünnem Eis

Die Wasserschutzpolizei hält Leichtsinnige von Gewässern fern

Rainer W. During

Auf dem Eis liegen Schneereste, in den Uferbereichen glänzen große Pfützen. Am Dienstag hatten noch einige leichtsinnige Kinder auf dem zugefrorenen See im Spandauer Südpark getobt, jetzt hält selbst Pudel „Blacky“, der mit seinem Frauchen eine Runde auf den spiegelglatten Wegen wagt, respektvollen Abstand zum Ufer. Die fünf Teams der Wasserschutzpolizei, die in den vergangenen Tagen alle Hände voll damit zu tun hatten, leichtsinnige Ausflügler von den Berliner Gewässern zu scheuchen, konnten gestern eine Pause einlegen.

„Auf dem Eis steht das Wasser, da wagt sich keiner mehr drauf“, sagt Olaf Wedekind von der Wasserschutzpolizei. Höchstens noch ein paar Eisangler, die vor allem der Große Müggelsee anzieht, seien anzutreffen. Im Gegensatz zum Tegeler See und zum Wannsee wird er nicht von Eisbrechern frei gehalten. Doch auch auf den strömungsfreien Binnengewässern besteht Lebensgefahr. Bei den gegenwärtigen Witterungsbedingungen verändert selbst das dickste Eis seine Substanz und wird brüchig, warnt Wedekind. Ohnehin habe es angesichts der wenigen Frosttage in diesem Winter noch nirgendwo in der Stadt eine „stabile Eislage“ gegeben, so der Experte. Wenn überhaupt, könne man davon erst nach mehrwöchigem Dauerfrost ausgehen. Selbst dann sei mit keinem amtlichen Freibrief zu rechnen. Weder die für große Gewässer zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch die Bezirksämter, die für die kleinen Seen verantwortlich sind, erteilen eine derartige Erlaubnis. Nur auf Antrag werden Eisflächen in Einzelfällen für Veranstaltungen freigegeben.

Dass sich die Berliner dennoch immer wieder aufs Eis wagen, bereitet den Ordnungshütern in jedem Winter Sorgen. Die mit Geräten für die Messung der Eisstärke und für die Rettung von Eingebrochenen ausgestatteten Streifen sind rund um die Uhr unterwegs, wo erfahrungsgemäß großer Andrang auf den Gewässern herrscht, etwa an den Grunewaldseen, dem Königs- und Hubertussee sowie dem Großen Müggelsee. Aber auch die Eisdecken, die sich in den Randbereichen von Tegeler See und Wannsee bilden, ziehen Ausflügler an. Dort setzten sich die Risse im Eis von der Fahrrinne schnell bis zum Ufer fort, warnt der Experte. Und selbst eine Eisdecke von zehn Zentimetern garantiere keine Sicherheit. Ein paar Meter weiter, beispielsweise in der Nähe von Einläufen, kann es schon völlig anders aussehen.

Olaf Wedekind und seine Kollegen bleiben wachsam. Sie wissen: Die nächste Frostperiode kommt bestimmt.

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