Aufbau-Insolvenz : Verleger Links klagt Treuhand an

Harsche Kritik an der Bundesregierung und der Treuhandanstalt: Der Berliner Verleger Christoph Links wirft der Politik im Zuge der Insolvenz des ostdeutschen Aufbau-Verlages Verantwortungslosigkeit vor. Seiner Meinung nach ist die Bundesregierung schadensersatzpflichtig.

Christoph Links
Verleger Christoph Links macht die Politik für die Pleite des Aufbau-Verlages verantwortlich. -Promo

BerlinDurch die Insolvenz des traditionsreichen Berliner Aufbau-Verlags sieht der Berliner Verleger Christoph Links "ein Stück kultureller Identität des Ostens in Gefahr". Aufbau-Eigentümer Bernd Lunkewitz sei 1991 beim Kauf des Verlags "von der Treuhand-Anstalt betrogen worden", weil diese ihm etwas verkauft habe, das "ihr nicht gehörte", sagte Links in Berlin. "Es gibt eine Verantwortung der Politik, den daraus entstandenen Schaden zu regulieren", betonte der Verleger.

Für Schadensersatzklagen gegen die Bundesregierung sieht Links gute Erfolgsaussichten. Die Rechtslage sei nach dem Beschluss des Bundesgerichtshofes (BGH) im März "so eindeutig, dass Schadensersatzforderungen nach meinem Verständnis durchaus erfolgversprechend sind". Ob diese allerdings auch in der von Lunkewitz bezifferten Höhe von 183 Millionen Euro gerechtfertigt seien, müssten die Gerichte entscheiden.

Schnelle juristische Einigung

Zur Sicherung der Zukunft des Verlages rät der 53-Jährige zu einer möglichst schnellen juristischen Klärung der strittigen Fragen zwischen Eigentümer und Geschäftsführung. "Nur dann gibt es auch Sicherheit für einen neuen Investor, den die Verlagsgruppe auf jeden Fall braucht", sagte Links. Im Interesse von Mitarbeitern und Verlag sollten "sich die Beteiligten an einen Tisch setzen und ohne öffentliche Schlammschlacht versuchen, eine Lösung zu finden".

Eigene Übernahmeabsichten hegt der Chef des Ch. Links Verlags allerdings nicht: "Das ist eine Nummer zu groß für mich. Bei Aufbau braucht es viel finanzielle Kraft". Der seit 1945 bestehende Aufbau-Verlag war am 30. Mai in die Insolvenz gegangen, weil Eigentümer Lunkewitz die Übernahme weiterer Zahlungsverpflichtungen abgelehnt hatte. (iba/ddp)

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