Berlin : Aufbau Ostkreuz

Die Bahn investiert 411 Millionen Euro – und warnt ihre Fahrgäste vor jahrelangen Unannehmlichkeiten

Stefan Jacobs

Das Vorhaben ist so kompliziert, dass die Bahn sich schon im Voraus bei ihren Fahrgästen für die absehbaren Unannehmlichkeiten entschuldigt: Der Bahnhof Ostkreuz wird umgebaut – und zwar zehn Jahre lang bei laufendem Betrieb. Die ersten Sträucher und Baracken rund um den mehr als 100 Jahre alten Knotenpunkt mit täglich mehr als 120 000 Ein-, Aus- und Umsteigern sind bereits verschwunden. Ab Jahresmitte soll in großem Stil gebaut und – zumindest an den Wochenenden – auch gesperrt werden.

Zu den ersten Schritten gehört der Ersatz der Fußgängerbrücke durch ein Provisorium. Auch die Kynaststraßenbrücke wird abgerissen und einige Meter versetzt neu gebaut. In der Zwischenzeit werden sich die Autofahrer mit dem Wegfall dieser Nord-Süd-Verbindung über die Stadtbahntrasse arrangieren müssen. Ab 2008 ist die obere Etage dran: Neben dem heutigen Ringbahnsteig wird ein völlig neuer Regionalbahnsteig errichtet. An dem soll zunächst die S-Bahn halten, damit die heutige Brücke erneuert werden kann. Der über den Bahnsteig pfeifende Wind wird nach Abschluss der Arbeiten vorbei sein, weil der obere S-Bahnsteig in einer Halle verschwindet. Ob sie auf den danebenliegenden Regionalbahnsteig erweitert wird, dürfte vom Zugverkehr auf dieser neuen Route abhängen.

Die unteren Bahnsteige werden zwar ebenfalls grundsaniert, bleiben aber vom Charakter her erhalten. Neu ist allerdings, dass die Bahnen künftig nicht mehr nach Linien, sondern nach Richtungen sortiert werden: Alle Züge stadteinwärts fahren vom selben Bahnsteig ab, alle stadtauswärtigen vom anderen. Diese neue Ordnung gilt dann übrigens auch am Bahnhof Warschauer Straße. Am Ostkreuz entsteht neben den unteren S-Bahnsteigen ein weiterer neuer Regionalbahnsteig, der langfristig den Stopp in Karlshorst ersetzen soll. Ersatzlos verschwinden soll dagegen der oben in der Kurve gelegene Bahnsteig der S9 (Schönefeld-Spandau). Wer mit der S9 unterwegs ist, muss sich schon während der Bauphase auf Unannehmlichkeiten einstellen, denn die Linie endet von Schönefeld her ab 2009 am Ostkreuz und fährt nach Spandau nur als Verstärkung der S75 weiter. Ebenso unkomfortabel wird es für die Passagiere der S3, die ab 2009 jahrelang nur zwischen Erkner und Ostkreuz fahren soll, weil ihre Trasse den Bauarbeiten im Weg ist. 411 Millionen soll das Vorhaben insgesamt kosten, wobei zusätzliche Auflagen es noch teurer machen könnten. Lärmschutzwände zur Haupt-, Türrschmidt- und Neuen Bahnhofstraße hin sind ohnehin geplant, manche Anwohner sollen auch Schallschutzfenster bekommen.

Als größte Hürde könnten sich allerdings fünf gegen die Baugenehmigung eingereichte Klagen erweisen, von denen zwei sogar einen Baustopp bewirken könnten, sofern sie nicht vorher entschieden werden.

Die Klagen beziehen sich auf eine Stromleitung, die die Kläger statt auf hohen Masten lieber unter der Erde hätten, und auf die Vorbereitung eines Tunnels für die noch ungewisse Verlängerung der Stadtautobahn. Gegen die Stromleitung hat auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg geklagt.

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