Berlin : Aufbruch in der Brache

Berliner Büro gewann Wettbewerb für Gleisdreieck. Ab Ende August werden dort für 11,6 Millionen Euro zwei Grünanlagen gebaut

Stefan Jacobs

Die Zukunft einer der größten und ältesten Brachflächen in der Berliner Innenstadt ist entschieden: Eine Jury aus Stadt- und Landschaftsplanern, dem Senatsbaudirektor, dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und dem Noch-Eigentümer Vivico hat den Siegerentwurf für den künftigen Park am Gleisdreieck gekürt. Der erste Preis geht an das Berliner Atelier Loidl, das sich im Wettbewerb gegen anfangs 83 und in der Schlussphase noch elf Mitbewerber durchgesetzt hat. Deren Konzept, kurz beschrieben, heißt: Außen Bäume, innen Wiese, und das Ganze gleich in zweifacher Ausführung. Denn das gesamte Areal zwischen Landwehrkanal, Technikmuseum, Bülowbogen und Yorckstraße wird durch die Bahngleise in Längsrichtung zerschnitten. Statt diese Trennlinie mit Brücken oder Übergängen zu kaschieren, haben sich die Architekten entschieden, zwei getrennte Parkanlagen zu planen. Nur eine neue Verbindung soll zwischen beiden Grünflächen entstehen: ein Fuß- und Radweg. Bisher blieb für diesen Weg zwischen Kreuzberg und Schöneberg oder Tiergarten nur der Weg durch die denkbar ungemütliche Yorckstraße im Süden oder am Landwehrkanal im Norden.

Die mehr als 20 dringend sanierungsbedürftigen Yorckbrücken, die maßgeblich zum finsteren Eindruck der Yorckstraße beitragen, sind in dem Entwurf enthalten – obwohl die Bahn ihren Abriss erwägt. Manche der Brücken sollen künftig als Wege, andere als gartenähnliche Grünstreifen genutzt werden.

Die beiden Hauptteile des Parks werden jeweils von Bäumen und Büschen eingerahmt, wobei hier auch die „intensiven Nutzungen“ untergebracht werden, wie Leonard Grosch vom Sieger-Büro sagte. Gemeint sind unterschiedliche Spiel- und Sportplätze für Kinder und Jugendliche, Platz zum Boule und Ball spielen, Sonnenbaden und für Cafés – „inklusive öffentlicher Toiletten“, wie Kreuzbergs Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) sagte.

Die Ränder umschließen jeweils eine Wiese, die größer sein soll als alle Freiflächen des Tiergartens und genug Platz für einen Eindruck von Weite vermitteln und sogar einen Fernblick Richtung Potsdamer Platz lassen soll. Insgesamt mehr als 20 Eingänge sollen in den Park hineinführen, wobei es jeweils über Treppen und Rampen ein Stück bergauf gehen wird, weil das Areal als ehemaliges Bahngelände etwa vier Meter höher liegt als die Straßen ringsum. Was am Gleisdreieck schon vorhanden ist – alte Bahngebäude, Gleise, ein Stellwerk und das „Wäldchen“ inmitten der Brache –, bleibt größtenteils erhalten.

Auf allzu große Extravaganzen wurde nach Angaben des Jury-Vorsitzenden Christophe Girot verzichtet, weil Bewachung und Pflege zu teuer würden. Eine Neuerung ist aber für den südlichen Teil des Parks geplant: „Community Gardens“, eine Art gemeinschaftlich bewirtschaftete Kleingärten von jeweils 500 Quadratmeter Fläche, nur ohne verschlossene Gartentore. Diese Idee geht auf die in der „Arbeitsgemeinschaft Gleisdreieck“ organisierten Anwohner zurück, die sich auch maßgeblich an der Ideensuche für den Park beteiligt haben.

Den formalen Baubeginn will man am 26. August mit einem Bürgerfest feiern, ab Mitte 2007 soll gebuddelt werden und 2011 alles fertig sein. Die ersten Teile des Parkes sollen schon ab Ende 2008 zugänglich sein.

Dass die Umsetzung letztlich am Geld scheitern wird, ist auch nicht zu erwarten, denn der Park ist als Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung des Potsdamer Platzes von den dortigen Unternehmen praktisch schon bezahlt. 11,6 Millionen Euro stehen nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung zur Verfügung.

Weitere Informationen zu Park und Planung im Internet unter:

www.gleisdreieck-dialog.de

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