Aufenthaltsgesetz : Sollen ausländische Schulabbrecher ausgewiesen werden?

Probleme in der Schule und ausländische Herkunft? In Zukunft kann diese Kombination dazu führen, dass die Berliner Ausländerbehörde die Abschiebung ind Heimatland veranlasst. Ist diese Praxis vertretbar? Ein Pro und Contra.

Fatina Keilani

Pro



Sicher, es gibt auch Leute, aus denen ohne Schulabschluss was wird. Die können ja auch hierbleiben. Sei es, dass der ungelernte Schulabbrecher in der Dönerbude des Onkels jobbt, sei es, dass er im Lager Kisten schleppt: Es kommt dem Staat ja nur darauf an zu vermeiden, dass jemand absehbar lebenslang dem Steuerzahler auf der Tasche liegt. Wer sich selbst finanzieren kann, darf nach Auffassung des Innensenators bleiben. Wer das nicht kann, bei dem soll ausgelotet werden, wie die Chancen stehen, dass er es je können wird. Der fehlende Schulabschluss ist da nur ein Indiz, der gute Wille ein anderes. Wir erinnern uns: Bockigen ausländischen Jugendlichen serviert der Staat die Angebote auf dem Silbertablett, und es gibt dennoch eine stattliche Zahl, die sich komplett verweigert und es für völlig normal hält, dass jeden Monat die Knete vom Staat kommt. Damit sie mit ihrer Dreistigkeit nicht durchkommen, ist es wichtig, wenigstens drohen zu können. Schon die Aussicht, dass es mit dem idyllischen Leben hierzulande auch einmal vorbei sein könnte, wirkt vielleicht motivierend – zu mehr Bildung oder eben zur Arbeit. Damit würden indirekt auch diejenigen Ausländer belohnt, die sich bemühen. Und das ist der Großteil. Fatina Keilani

Contra

Die Drohung hat es in sich: Magst du nicht lernen, dann fliegst du raus. Und zwar nicht nur aus der Schule, sondern gleich ganz. Aus deiner Heimat. Denn genau das ist Berlin für die meisten Jugendlichen ohne deutschen Pass, die hier aufgewachsen sind – selbst wenn sie sich nicht gut benehmen. Es sei ein falsches Signal, bei Fehlverhalten mit Ausweisung zu drohen, kontraproduktiv in Sachen Integration – das predigen engagierte, gebildete Migrantenvertreter schon seit langem. Denn angesprochen fühlen sich nicht nur die wenigen schlimmen „Fälle“, die Intensivtäter, denen tatsächlich die Abschiebung blühen könnte, sondern alle. Und es wird nicht etwa Ansporn sein, sondern Bremse. Lernen unterm Damoklesschwert. Sie werden die Regel so verstehen: Wir wollen euch nicht helfen, wir wollen euch loswerden. Ihre Antwort: „Wo man mich nicht will, integriere ich mich nicht und strenge mich nicht an.“ Eine Trotzreaktion, die schon jetzt massenweise in den Schulen zu besichtigen ist. Statt Drohungen und Ablehnung ist Hilfe nötig: Intensive Deutschkurse, Nachhilfe in sozialen Umgangsformen – vom Kindergartenalter an. In dem Alter ist die Reaktion auf eine fiese Drohung übrigens ohrenbetäubendes Geschrei. Daniela Martens

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