Berlin : Aufgewärmt

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Von Andreas Conrad

Die Liebe der Deutschen zum Sauerkraut hat ihre prägnanteste Ausformung gewiss in der Witwe Bolte gefunden: „Eben geht mit einem Teller / Witwe Bolte in den Keller, / Dass sie von dem Sauerkohle / Eine Portion sich hole, / Wofür sie besonders schwärmt, / Wenn er wieder aufgewärmt.“ Generationen sind dieser Sättigungsbeilage treu geblieben, so sehr, dass die Deutschen international gar „Krauts“ gerufen wurden, was nicht sehr nett gemeint war. Insofern stellt es schon eine gewisse Unerhörtheit dar, dass nun ausgerechnet ein Norweger nach dem Sauerkraut langt und es damit sogar zu einer Art skandinavischem Nationalhelden gebracht hat: Elling. Erst war er viermal Romanfigur, dann Held in einem Theaterstück, schließlich Hauptfigur in einem Film. Den wollen auch immer mehr Deutsche sehen, seit knapp vier Wochen etwa im Filmtheater am Friedrichshain. Eine nationale Affinität zum Sauerkraut mag dabei eine Rolle spielen, gelangt Elling, die nordische Variante des Don Quichotte, doch mit Gedichten zu Ruhm, die er in Sauerkrautpackungen versteckt. Das anzusehen macht Spaß, und so wird am Freitag bereits der 200 000. Zuschauer das Theater betreten. Ein besonderes Präsent ist da wünschenswert. Blumen? Langweilig. Ein Freibillett? Besser, aber durch ein Sechserpack der Sauerkraut-Sonderedition „Elling“ der Firma Hengstenberg nicht zu schlagen. Bleibt zu hoffen, dass kein Kinobesitzer auf die Idee kommt, für den 200 000. Besucher von „Spider–Man“ ein ähnlich originelles Präsent zu finden. Ein Zuschauer mit Spinnenphobie könnte schreiend die Flucht ergreifen.

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