Berlin : Aufklärung im Stundentakt

Bankenskandal-Prozess wieder unterbrochen

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Rüge, Pause, Antrag, Ende – der zweite Tag im Prozess gegen 13 Bankmanager ist am Mittwoch erneut nach zwei Stunden unterbrochen worden. Bevor die Verhandlung am 12. August fortgesetzt wird, will die 36. Strafkammer des Landgerichts über die Beweisanträge der Verteidigung entscheiden. Mehrere Anwälte hatten beanstandet, dass die Staatsanwaltschaft die Besetzung der Gerichts unzulässig beeinflusst habe. Es sei allgemein bekannt, dass die Staatsanwaltschaft über die nach ursprünglichem Geschäftsverteilungsplan zuständige 19. Strafkammer „unglücklich“ gewesen sei. Richter HeinzGeorg Gahlen hatte 2003 den früheren Chef der Berliner Volksbank, Ulrich Misgeld, von den Vorwürfen der Untreue und der Beihilfe zum Millionenbetrug freigesprochen. Die Verteidiger unterstellen jetzt, dass der brisante Fall um den Berliner Bankenskandal gezielt von der 19. Strafkammer „wegverlegt“ worden ist.

Die Staatsanwaltschaft verzichtete gestern auf einen eigenen Gegenantrag. Nach den Worten des Anklägers aber nicht, weil an den Vorwürfen etwas Wahres sei, sondern weil man den Eindruck vermeiden wolle, dass die Anklagebehörde etwas zu verbergen hat.

Ursprünglich sollte gestern den Angeklagten das Wort erteilt werden, die Strategie der Verteidiger leuchtete offenbar nicht allen Beteiligten sofort ein. Warum sich mit Formalitäten aufhalten, fragte Wolfgang Steinriede, Ex-Chef der Berliner Bankgesellschaft, einen Verteidiger auf dem Gerichtsflur. „Wir haben doch in der Sache so gute Argumente!“

Vor dem Landgericht müssen sich die Führungskräfte, darunter Klaus Landowsky, ehemaliger Vorstandschef der Berlin Hyp und Ex-CDU-Fraktionschef, wegen des Verdachts der Untreue im besonders schweren Fall verantworten. Sie sollen fragwürdigen Krediten der Berlin Hyp in Höhe von rund 235 Millionen Euro an das Plattenbauunternehmen Aubis zugestimmt haben. Persönlich wird sich Landowsky auch am kommenden Freitag nicht zu den Vorwürfen der Anklage äußern. Sein Verteidiger wird voraussichtlich eine fünfseitige Stellungnahme verlesen. kf

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