Berlin : Auflegen statt ansagen

Markus Kavka als DJ im Watergate. Der MTV-Moderator lebt jetzt in Berlin und liebt den Spielplatz am „Boxi“

Alva Gehrmann

Messdiener ist er geworden, weil die Kirche einen Fußballverein hatte. Und dann war er einer von denen, die nach der Taufe, Hochzeit, Beerdigung mit aufgehaltener Hand an der Tür standen. Bis zu 70 Mark gab es an guten Tagen und damit rannte der Junge in den nächsten Plattenladen, um die ersten Platten zu kaufen. Inzwischen sind 4000 LPs und 3000 CDs dazugekommen. Und Markus Kavka ist Moderator und Produzent von Musik- und Newssendungen beim Musiksender MTV.

Noch muss er für die Arbeit zwischen München (Aufzeichnungsort) und Berlin pendeln. Anstrengend. Aber offenbar nicht genug: Kavka legt auch selber Platten auf in Clubs in ganz Deutschland und an diesem Sonnabend im Watergate. Minimal House, Techno und Electro will er spielen. „Dazwischen noch Klassiker aus zwanzig Jahren elektronischer Tanzmusik.“ Weit hat er es zu dem Kreuzberger Club nicht. Kavka hat im März 2002 eine Dachgeschosswohnung in Friedrichshain gemietet, Nähe Boxhagener Platz. In Berlin gefällt es ihm besser als in München. „Die Berliner denken eher: Was interessiert mich der Kavka. Ich bin selber cool.“ Kavka sitzt in der Morena-Bar in Kreuzberg. Er spricht mit bayerischem Akzent und langsamer, als man erwarten würde, wenn man ihn mal im Fernsehen gehört hat. Hier in der Morena-Bar, denkt er, wird er nicht angesprochen. Hier wird keiner nachfragen, ob er der aus dem Fernsehen ist.

Markus Kavka kommt aus Bayern, aus einem Dorf in der Nähe von Ingolstadt. Als Jugendlicher gehörte er zu den Grufties, was bei den Altersgenossen nicht gut ankam. Gelegentlich sei er wegen seines Aussehens in der Disko verprügelt worden, sagt Kavka. Inzwischen ist Kavka längst kein Teenager mehr und mit seinen 36 Jahren auch älter als die Zielgruppe für seine Sendungen, die vornehmlich von 14- bis 29-Jährigen geguckt werden. Trotzdem sei es nie so, dass die Zuschauer sagen „was will der alte Sack von mir“, sagt Kavka. Er glaubt, dass sie ihn akzeptieren, weil weiß, wovon er spricht. Nach mehr als 20 Jahren in der Musikbranche. Er hat selber Musik gemacht, für die Zeitschrift „Metal Hammer“ geschrieben, im Radio und bei Viva moderiert und nun MTV, wo er die ganz Großen vors Mikro kriegt. Dave Gahan von Depeche Mode oder Robert Smith von Cure. Den MTV-Award hat er moderiert und Mariah Carey getroffen.

In seinen News-Sendungen ventiliert er die Gerüchte über Promis aus dem Showbiz. Wobei ihn die Geschichten, wie er sagt, weniger interessieren, als „die absurde Relevanz, die diese Dinge haben". Deshalb kommentiert er sie, macht sich lustig darüber oder tut verwundert. „Manche finden meinen Stil gut, andere hassen das“, sagt er und: „Mein Vorbild ist Harald Schmidt.“

Und sein Lieblingsort ein Kinderspielplatz. „Ich liebe es, mich sonntags an den Kinderspielplatz am Boxhagener Platz zu setzen", sagt er. „Das ist ein magischer Ort.“ Im Sommer habe er dort stundenlang die Kinder beim Spielen beobachtet. Wie die einen ihre Sandburgen bauen und die anderen sie wieder zerstören. Markus Kavka wünscht sich auch eine Familie. „Ich war sogar schon zwei Mal verlobt.“ Derzeit ist er solo.

Vom Nebentisch in der Morena-Bar kommt ein Mann herüber. „Du bist doch der von MTV?“ Er bittet um ein Autogramm für den kleinen Bruder: „Kannst du schreiben für den besten Schüler in Tunesien?“

Popmobil mit Markus Kavka u.a. im Watergate, Falckensteiner Straße 49, ab 23 Uhr, Eintritt 10 Euro

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