Berlin : Aufmarsch der Wirtschaftsprominenz

Heute wird die Elite-Managerschule im Staatsratsgebäude gegründet

Sabine Beikler

Ein Auszug aus der Gästeliste für den Festakt zur Gründung der „European School of Management and Technology“ (ESMT) klingt wie das Who is Who der internationalen Wirtschaftsprominenz: Am Donnerstag werden im Staatsratsgebäude Jürgen Schrempp, Vorstandsvorsitzender von Daimler-Chrysler, Allianz-Chef Henning Schulte- Noelle, der Vorstandschef des Energieriesen EON, Ulrich Hartmann oder der Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, neben anderen Konzernchefs erwartet. Stellvertretend für die Politik sind nach der bisherigen Planung Bundespräsident Johannes Rau, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Bundesinnenminister Otto Schily anwesend. Das Grußwort wird Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sprechen. Auch Bausenator und SPD-Landeschef Peter Strieder wird zu dem Festakt erwartet. Angesichts der Wirtschafts- und Politikprominenz wird es am Donnerstag rund um das Gebäude erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben. Autonome Gruppen haben unter dem Motto „Das Projekt ESMT töten. Kapitalismus abschaffen“ zu Protesten vor dem Gebäude aufgerufen.

Die ESMT will ihren Lehrbetrieb 2004 aufnehmen. Bis zu 300 Nachwuchs-Manager sollen jährlich die Managerschule mit den Abschlüssen Master oder Executive Master (MBA oder EMBA) verlassen. Die Stiftung, getragen von zwei Dutzend Wirtschaftsunternehmen, hat den anerkannten englischen Management-Professor Derek F. Abell als Gründungspräsident verpflichten können. Bis zu 80 Professoren sollen später unterrichten. Vor Beginn des Lehrbetriebs hat die Stiftung allerdings noch diverse Hürden zu überwinden. Bisher steht erst ein Stiftungskapital von 90 Millionen Euro zur Verfügung. 100 Millionen Euro sollen es in ein paar Monaten sein. Hinzu kommen noch einmal 25 Millionen Euro aus der Hertie-Stiftung. Nach Expertenmeinung reicht das Kapital für den laufenden Betrieb der Schule nicht aus. Christian König, Sprecher der Stiftung, sagte auf Anfrage, 100 Millionen Euro seien als „Anschubfinanzierung“ durchaus ausreichend. Die ESMT soll sich künftig ausschließlich aus Kapitalerträgen und den Studiengebühren von rund 30 000 Euro pro Jahr finanzieren.

Auf Granit bissen die Stiftungsunternehmen bisher beim Berliner Senat: Die Landesregierung hat einen finanziellen Zuschuss für die geschätzten Sanierungskosten von 25 Millionen Euro ausgeschlossen. „Wir unterstützen die Stiftung, indem wir das Staatsratsgebäude mietfrei zur Verfügung stellen. Den Ausbau muss die Schule aber selbst tragen“, sagte Bausenator Peter Strieder. Dissens gab es auch zwischen der Stiftung und dem Land, in welcher Rechtsform das Gebäude übertragen wird: Die Stiftung will einen Erbbaurechtsvertrag, der Senat hatte das bisher abgelehnt. Ein solcher Vertrag hätte für den Nutzer den Vorteil, dass er beleihbar ist und über einen langen Zeitraum abgeschlossen wird. Strieder sagte dem Tagesspiegel, man könne über den Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages sprechen, wenn „Berlin nicht auf den Kosten sitzen bleibt oder keinen Einfluss mehr auf die Nutzung des Gebäudes hat, sollte das Projekt ESMT scheitern“. Damit stellt er sich gegen Meinungen aus den Fraktionen von SPD und PDS. „Wenn die Top 20 der deutschen Unternehmen eine Elite-Schule gründen wollen, sollte man nicht so tun, als habe man es mit Spekulanten zu tunt“, sagte Strieder.

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