Berlin : Aufmarsch gegen Abbau

100 000 Menschen kamen zur Demonstration gegen die Sozialpolitik der Bundesregierung

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Weit mehr Menschen als vom Veranstalter erhofft demonstrierten am Sonnabend gegen die Sozialpolitik der Bundesregierung. Schätzungsweise 100 000 Personen schlossen sich dem Zug durch den Bezirk Mitte an, nur 20 000 hatte das Bündnis aus Gewerkschaften, der PDS, den Globalisierungsgegnern von „Attac“, Gewerkschaften und linken Splittergruppen bei der Polizei angemeldet. Statt der erwarteten 80 Reisebusse kamen am Ende 300 aus dem ganzen Bundesgebiet nach Berlin. „Die Teilnehmerzahl übertrifft unsere kühnsten Erwartungen“, sagte AttacSprecher Malte Kreutzfeld. Etwa 200 bis 300 Autonome marschierten unter Bewachung einer Hundertschaft der Polizei inmitten des Zuges im so genannten schwarzen Block mit. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Doch nicht die Kreuzberger Autonomen prägten diese Demo, sondern neben organisierten Gewerkschaftern viele ältere Menschen, auch Rentner. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer lag deutlich höher als bei bisherigen Demonstrationen. „Da sind wohl viele dabei, die von der Politik einfach die Schnauze voll haben“, vermutete ein Polizist. Zahlreiche Teilnehmer hatten sich offenbar spontan dem Zug angeschlossen. So waren gegen 13 Uhr am Alexanderplatz nur 10 000 Menschen gestartet, gegen 15 Uhr marschierten dann zehn Mal so viele durch die Friedrichstraße Richtung Gendarmenmarkt. Dort fand die Abschlusskundgebung statt. Eine Stunde dauerte es, bis der letzte Demonstrant die Linden überquert hatte, so lange standen die Autos still. Die Buslinien der BVG wurden umgeleitet oder abschnittsweise eingestellt. Die PDS spannte ganz oben auf der Freitreppe des Schauspielhauses ein breites Transparent auf. „Gegen Armutsgesetze“ stand da Rot auf Weiß. Das traf offensichtlich die Stimmung der Teilnehmer. Zu sehen waren viele Familien und kleine Gruppen, die selbst gemalte Transparente oder Plakate trugen. Da wurde gereimt, „Grün und Rot – soziale Not“ oder der Name SPD verballhornt: „Sie Plündern Deutschland.“ Eine Gruppe junger Leute feierte farbenfroh mit Transparenten „Viva Florida-Rolf“, den Arbeitslosen also, der bekannt wurde, weil er Sozialhilfe in Florida kassierte. Reformen der Regierung wurden aufs Korn genommen: Hartz, Gesundheit und die neuen Rentengesetze. Ha

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