• Aufmerksame Frau vereitelte Bombenattentat Unbekannte legten Ukrainerin Splitterhandgranate in das Auto

Berlin : Aufmerksame Frau vereitelte Bombenattentat Unbekannte legten Ukrainerin Splitterhandgranate in das Auto

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Das Misstrauen einer Frau hat ihr und möglicherweise mehreren anderen Menschen das Leben gerettet. Die 33jährige Ukrainerin hatte am Donnerstagabend ihr an der Wielandstraße in Charlottenburg geparktes Auto nicht besteigen wollen, weil die Türen nur angelehnt waren. Sie vereitelte damit in letzter Sekunde einen gegen sie gerichteten Bombenanschlag. In dem Auto war eine Splitterhandgranate abgelegt. Die Polizei konnte sie rechtzeitig entschärfen. Als Hintergrund des Anschlags werden Streitigkeiten in der organisierten Kriminalität vermutet. Während des Bombenalarms wurden Häuser geräumt, Straßen gesperrt und der nahe gelegene S- und Fernbahnverkehr unterbrochen.

Es wäre zur Katastrophe gekommen, wenn die 33-jährige Yana Z. am Donnerstag gegen 21.35 Uhr die Tür ihres 500er Mercedes geöffnet hätte: Unter dem Fahrersitz hatten Unbekannte eine Splitterhandgranate jugoslawischer Herkunft deponiert. Von deren Sicherheitsstift führte ein Band zum Griff der Fahrertür. Beim Öffnen der Tür wäre der Stift entfernt worden und die Bombe explodiert - mit verheerenden Folgen auch für die nähere Umgebung. Die Frau war wegen einer eingeschlagenen Autoscheibe und angelehnten Türen misstrauisch geworden und benachrichtigte die Polizei.

An den Ermittlungen war zunächst der Staatsschutz beteiligt, gestern früh schaltete sich die sechste Mordkommission ein, denn ein politischer Hintergrund wird nach den ersten Untersuchungen ausgeschlossen. Vermutet werden eher Auseinandersetzungen innerhalb der organisierten Kriminalität. In der Gegend soll angeblich die Russen-Mafia aktiv sein. Es gebe einen „Riesenstrauß“ von möglichen Motiven, sagte ein Ermittler, und nannte die Spannbreite von Prostitution über Schlepperei und Schleuserei bis hin zu Eigentumskriminalität.

Die Mordkommission schloss gestern auch persönliche Motive nicht aus. Aber die Ermittlungen führten bislang nicht in eine bestimmte Richtung. Der Anschlag habe jedenfalls zielgerichtet der bereits bei der Polizei bekannten 33-jährigen Frau, nicht aber ihrer Begleiterin gegolten, teilte die Mordkommission mit. Die gebürtige Ukrainerin, die in der Charlottenburger Sybelstraße wohnt, wird mit dem Rotlicht-Milieu in Verbindung gebracht. Die Frau, die den Mercedes nutzt, aber nicht Halterin ist, war nach dem Besuch in einem spanischen Restaurant am Donnerstagabend mit ihrer Begleiterin auf das Fahrzeug am Straßenrand zugegangen, bis sie die Spuren am Auto misstrauisch machten.

Die erste Funkstreifenbesatzung, die am Ort eintraf, stellte fest, dass es sich tatsächlich um eine Sprengstofffalle handeln könnte und forderte Unterstützung an. Kurz nach 23 Uhr begann die Polizei, die angrenzenden Häuser zu räumen: Die betroffenen 60 Mieter wurden in Polizeibussen untergebracht. Die zur Gefahrenzone erklärte Wielandstraße wurde zwischen Niebuhr- und Kantstraße und die Kantstraße zwischen Leibniz- und Schlüterstraße gesperrt. Ab Mitternacht wurde auch der nahe gelegene Fern- und S-Bahnverkehr unterbrochen. Gegen 0.20 Uhr begannen Spezialisten des Landeskriminalamtes unter starken Sicherheitsvorkehrungen mit der Entschärfung. Die Beamten konnten die Splitterhandgranate sichern. Sie wurde anschließend zum Polizeisprengplatz im Grunewald transportiert.

Bei einer Explosion wäre das Auto in die Luft geflogen, und die beiden Insassinnen mit Sicherheit tödlich verletzt worden. Auch für Passanten hätte höchste Lebensgefahr bestanden.C. v. L./weso

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