Berlin : Aufnahmetest bremst Schnelllerner Gymnasien fürchten um Begabtenklassen

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Weitaus weniger Kinder als im Jahr zuvor haben 2013 den Aufnahmetest für die sogenannten Schnelllernerklassen bestanden. Nach Angaben der Bildungsverwaltung waren 51 Prozent der 594 getesteten Kinder erfolgreich, 2012 waren es 74 Prozent, 2011 56 Prozent. Einige Schulleiter führen diese Entwicklung auf einen neuen Test zurück, der seit diesem Jahr verwendet wird.

Die Schnelllerner starten bereits in der fünften Klasse, haben fünf Stunden weniger Regelunterricht und dafür Zusatzangebote. Bisher mussten sie zwei Aufnahmetests absolvieren, von denen sie nur einen bestehen mussten. Jetzt gibt es nur noch einen Test. Schulleiter kritisieren, dass Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, möglicherweise im Nachteil seien, weil bisher bei einem der Tests Sprachkenntnisse kaum eine Rolle spielten. Die Bildungsverwaltung verweist darauf, dass weiterhin sprachfreie Anteile des Tests gewichtet würden. Dass im letzten Jahr so viele Kinder in einem der Tests gut abgeschnitten hätten, könne darauf hinweisen, dass dieser möglicherweise vorab zugänglich gewesen sei.

Einige der sieben Gymnasien mit Schnelllernerangebot fürchten nun, weniger Klassen als geplant einrichten zu können. An der Dathe-Oberschule in Friedrichshain kann Schulleiterin Helmke Schulze statt zwei wohl nur eine Schnelllernerklasse einrichten, wenn überhaupt, weil nur 20 Kinder in Frage kommen.

Am Humboldt-Gymnasium in Tegel haben nur rund 50 Prozent der Kinder den Test bestanden, in den Jahren zuvor seien es stets rund 75 Prozent gewesen, sagte Schulleiter Bernd Kokavec. Er will mit 45 Schülern trotzdem zwei Klassen aufmachen: „Das sind wir den Eltern schuldig.“ Seit 17 Jahren habe er Erfahrung mit Begabtenklassen, es sei „eine einzige Erfolgsgeschichte“, sagt er. „Es gab keinen Grund, das Aufnahmeverfahren zu verändern.“ Auch am Weddinger Lessing-Gymnasium und dem Otto-Nagel-Gymnasium in Marzahn gab es schlechtere Resultate. Am Mittwoch mussten die Schulleiter viele Absagebriefe schreiben. Sylvia Vogt

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