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Aufrüstung bei der Berliner Polizei : Der neueste Schrei

In Berlin werden die Polizeiwagen in Kürze zusätzlich mit dem heulenden „Yelp“-Ton aufgerüstet - damit auch jeder anhält bei Kontrollen. Nicht jeder begrüßt die Entscheidung.

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Das zusätzliche "Yelp"-Signal soll in Kürz auch auf Berliner Polizeiautos installiert werden. Andere Bundesländer haben schon umgerüstet.
Das zusätzliche "Yelp"-Signal soll in Kürz auch auf Berliner Polizeiautos installiert werden. Andere Bundesländer haben schon...Foto: Thilo Rückeis

Der Sound ist unverwechselbar. Die Älteren werden sich an die TV-Serie „Kojak – Einsatz in Manhattan“ erinnern, die Jüngeren wohl eher an „CSI: NY“, wenn sie demnächst die heulenden Sirenen der Berliner Polizeiautos hören. Denn nun kommt bald „Yelp“ – das neue Anhaltesignal. Zusätzlich zu dem bekannten Martinshorn (Tatütata) werden die Einsatzfahrzeuge mit dem Yelper (englisch für jaulen), der mit seinem schrillen „Wiuwiuwiu“ dem Klang US-amerikanischer Sirenen nachempfunden ist, und einem neuen roten Blitzlicht – „Flasher“ – ausgestattet. Das Anhaltesignal soll bei Kontrollen Autofahrern deutlicher als bislang klar machen, dass sie stoppen müssen. Blaulicht und Martinshorn bedeuten weiterhin: Aus dem Weg, die Polizei muss vorbei!

Der neueste Schrei soll in Berlin in diesem Frühjahr – geplant ist der April – zu hören sein. Doch offenbar gab es zuletzt Probleme mit der technischen Umsetzung. Zu Details wollte sich die Behörde nicht äußern. „Wir arbeiten an der Einführung des neuen Anhaltesignals“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Bei einem Medientermin soll es demnächst eine Präsentation geben. Wann das sein wird, hängt wohl von der Technik ab.

Seit das Bundesverkehrsministerium im vorigen Sommer den Weg freigemacht und die Straßenverkehrszulassungsordnung ergänzt hat, können die Länder ihre Streifenwagen aufrüsten. Fünf Bundesländer machen den Anfang, wobei Hessen das neue Signal im Rahmen eines Pilotprojekts bereits vor zehn Jahren eingeführt hatte – mit guten Erfahrungen, wie es hieß. Zuletzt rüstete Mitte März Hamburg rund 250 Peterwagen mit „Yelp“ aus und lud die Journalisten zu einem Vorführtermin. Dabei wurde noch einmal betont, warum die Amerikanisierung der Signale sinnvoll sei: Es habe sich gezeigt, dass die Bürger bei Kontrollen das „Stopp“-Signal auf den Fahrzeugdächern der Funkwagen häufig nicht bemerkt hätten. Die Polizei habe dann mit „waghalsigen Überholmanövern“ am Auto vorbeiziehen und die Anhaltekelle zeigen müssen. Mit dem roten Flasher und dem schrillen Yelper soll dies nun eindeutiger für den Autofahrer und sicherer für die Beamten werden.

In Berlin ist nicht jeder begeistert von der Sirene, die lauter ist als das klassische Tatütata. „Was brauchen wir diesen Quatsch? So viele Unfälle gab es ja nun nicht, weil wir angeblich nicht zu hören waren“, schimpft eine Beamtin. „Dafür wird Geld ausgegeben, aber nicht für Diensthandys.“ Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist skeptisch. „Die Behörde hat bekanntlich wenig Geld. Warum muss Berlin wieder vorneweg sein?“, sagt GdP-Sprecherin Silvia Brinkhus. Die Aufrüstung des Autos sei nicht das dringlichste Problem. Der Umbau eines Streifenwagens kostet nach Angaben des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern rund 4000 Euro. Berlin hat nach eigenen Angaben knapp 350 Funkwagen.

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