Berlin : Aufruhr mit Ansage

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"Niemals zuvor", hatte Einsatzleiter Gernot Piestert gesagt, "ist die Gewaltbereitschaft im Vorfeld des 1. Mai so offen und massiv geäußert worden". Auch Polizeipräsident Hagen Saberschinsky sprach von einer "sehr zugespitzten Lage". Anders sah es offenbar der polizeiliche Staatsschutz. Der legte der Kreuzberger Demonstration zwar scharfe Auflagen auf; unter anderem durfte die Route nicht nach Mitte führen. Verbieten wollte der Staatsschutz die Demo allerdings nicht - mit einer überraschenden Begründung: "Wenn wir derzeit noch von einem solchen Verbot absehen, dann nur deshalb, weil eindeutige Aufrufe zur Gewaltanwendung, wie sie im Vorfeld der Vorjahresveranstaltung erfolgten, bisher noch nicht festgestellt worden sind." Im Vorfeld, meinen Szenekenner, hatte der "revolutionäre 1. Mai" keinen hohen Stellenwert in der linken Szene. Bis auf ein Plakat veröffentlichte die Autonomen-Zeitung "Interim" nicht ein einziges Flugblatt zur Kreuzberger Demo. Die Szene war stattdessen mit den Neonazis in Hellersdorf beschäftigt. Flyer, auf denen Vermummte zu sehen sind, kursieren seit vielen Jahren. Und die Internet-Seiten, die zu Krawall aufforderten, stammten von Einzelpersonen. Der grüne Innenexperte Wolfgang Wieland kritisiert deshalb: "Die ganzen Wochen über wurde das Thema hochgespielt. Das hat zur Eskalation beigetragen."

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