Berlin : Aufschwung in der Wilmersdorfer

Eine Einkaufsstraße trotzt der Krise im Einzelhandel. Berlins älteste Fußgängerzone wurde aufgewertet

Cay Dobberke

Eine der größten Berliner Einkaufsstraßen hat sich herausgeputzt: Die Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg trotzt der Krise im Einzelhandel und der starken Konkurrenz von Einkaufszentren. Bei der Eröffnung des Modehauses Peek & Cloppenburg drängten sich gestern rund 20000 Kunden auf drei Etagen im neuen „Kant Center“ an der Ecke Wilmersdorfer/ Kantstraße. Zahlreiche Sonderangebote hatten zu dem Ansturm geführt, der laut Geschäftsleitung „alle unsere Erwartungen übertrifft“. Viele tausend Kunden erwartet heute auch der Nachbar Media Markt im Tiefgeschoss des Kant-Centers, der schon um sechs Uhr öffnet und ebenfalls Rabatte verspricht. Die Polizei warnt vor Verkehrsbehinderungen bis zum Ladenschluss um 20 Uhr.

In der ältesten Berliner Fußgängerzone „deutet sich die Zeitenwende zum Besseren an“, lobt Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband. Das Interesse von Investoren an der Wilmersdorfer Straße sei ungebrochen. „Wir werden zur 1-A-Lage“, sagt der Vorsitzende der dortigen Händler-Arbeitsgemeinschaft, der Apotheker Thomas Bong. Das nächste große Bauprojekt ist bereits in Sicht: An der Ecke Schillerstraße sollen Anfang 2005 ein Parkhaus und angrenzende Altbauten verschwinden, damit dort das Einkaufszentrum „Wilmersdorfer Arcaden“ entstehen kann.

Noch bis Ende der 90er Jahre hatte die Wilmersdorfer Straße einen nur mäßigen Ruf. Billigläden und viel Beton prägten das Bild. Doch seither hat sich viel verändert. „Angefangen hat es mit der Modernisierung des Karstadt–Warenhauses vor vier Jahren“, sagt Thomas Bong. Später bauten Investoren mehrere neue Geschäftshäuser. Eines davon entstand an der Ecke Goethestraße, seit Mitte des Jahres gibt es dort eine Hugendubel-Buchhandlung und die stadtweit größte Filiale der Optikerkette Fielmann. „Für uns ist das hier eine Toplage“, so Fielmann-Niederlassungsleiterin Carol McCollins- Kreyenborg.

Auch das Bezirksamt hat zur Aufwertung beigetragen. So wurden die ungeliebten Verkaufspavillons mitten auf der Straße entfernt, heute dürfen dort nur noch Obststände stehen. Im Vorjahr wurden modernere Leuchten montiert, und 2005 will Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler das Pflaster erneuern lassen. Am U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße gestaltete die BVG die ungastlichen Eingänge um. Zudem erhält der Media-Markt im Kant-Center bis November einen direkten Zugang vom Bahnhof aus. Nach dem Umbau rückt auch der S-Bahnhof Charlottenburg näher an die Einkaufsstraße heran. Zur Luxusmeile wird die Straße aber nicht. „Louis-Vuitton-Koffer kauft man woanders“, ist für den Einzelhandelsverband klar. Die Stärke der Fußgängerzone liege in der „soliden Mitte“.

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