• Aufstand der Vernachlässigten: Kladower fühlen sich durch Behörden missachtet und machen mobil

Berlin : Aufstand der Vernachlässigten: Kladower fühlen sich durch Behörden missachtet und machen mobil

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Die Kladower machen mobil. Ein halbes Jahrhundert Vernachlässigung durch die öffentliche Hand sei genug, meint eine neu gebildete Bürgerinitiative. Jetzt sei es an der Zeit, dass auch im Spandauer Süden - wo durch rege Bautätigkeit ein beträchtlicher Bevölkerungszuwachs erwartet wird - endlich etwas getan wird. Das Interesse der Anwohner an der ersten Informationsveranstaltung bestätigte den Nachholbedarf. Rund 150 Kladwoer füllten die Aula des neuen Carossa-Gymnasiums bis auf den letzten Platz.

Mit der Eröffnung des Cladow-Centers - hier hat man auf die historische Schreibweise zurückgegriffen - sind die alten Missstände um so deutlicher geworden. Gleich gegenüber erinnern die Bauten eines längst geschlossenen Supermarktes und eines ehemaligen Jugendheims an Bunker-Ruinen. Eines von vielen Motiven für die Gründungsmitglieder der Gruppe, eine Ausdehnung des Geltungsbereiches des Dorfentwicklungsplanes zu fordern, dessen Aufstellung kürzlich von den Bezirksverordneten beschlossen wurde.

Die Initiatorin der "Initiative schönes Kladow" ist eine Neubürgerin. Karin Glaser zog selbst erst zu Jahresbeginn von der Alster an die Havel und engagierte sich prompt in einer Aktion gegen den Müll. Doch schnell wurde ihr klar, dass mehr getan werden muss. Ihre Mitstreiter fand sie im örtlichen SPD-Vorsitzenden Otto Eigen, dem CDU-Bezirksverordneten und Bundeswehr-Oberstleutnant Joachim Weiss, dem Vorsitzenden der Sportfreunde Kladow, Jürgen Klausing und dem Haushaltswaren-Einzelhändler Jürgen Frohberg. Mit vier Arbeitsgruppen stellte man sich der Öffentlichkeit vor.

Am weitesten gediehen sind die Vorstellungen im Verkehrsbereich. Von der Anpassung der "Bunker" an den ländlichen Charakter über eine Tempo-30-Zone bis zur Beseitigung der an eine Autobahnauffahrt erinnernden Leitplanken an der Sakrower Landstraße Ecke Krampnitzer Weg reichen die unter heftigem Applaus der Anwesenden erhobenen Forderungen. Ebenfalls auf Zustimmung stießen die Wünsche nach einer Ausweitung des BVG-Schiffsverkehrs nach Wannsee und einer Verkehrsberuhigung des Anlegerbereiches am Imchenplatz.

Aber auch in den Bereichen Umwelt, Jugend und Grün gibt es viel zu tun. Mehr Papierkörbe und mehr Anpflanzungen stehen auf der Wunschliste. Kein einziger Kladower sitzt in der Jury zum Wettbewerb für einen der größten Landschaftsparks Berlins, der auf dem ehemaligen Schießplatz der britischen Streitkräfte an der Potsdamer Chaussee entstehen wird, bedauerte Torsten Birlem, Bauherr des Cladow-Centers. Und den Jugendlichen des Ortsteils soll die Möglichkeit geboten werden, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen, sagte Karin Glaser weiter.

Nachdem sie "jahrzehntelang den Solidaritätsbeitrag für andere Spandauer Ortsteile" geleistet haben, wollen sich die Kladower - so die einhellige Meinung - jetzt von der Politik nicht mit dem Hinweis auf inzwischen leere Kassen abspeisen lassen. Doch man wolle nicht nur fordern, sondern auch selbst Hand anlegen. Wenn jeder nicht nur den eigenen Garten, sondern auch den Bereich vor der Tür kehre, sei schon eine Menge erreicht. Die Resonanz auf den Aufruf zur Mitarbeit lässt hoffen.

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