Auftakt der Sommerkonzerte in Brandenburg : Mozart-Abend in Königs Wusterhausen

Zur Eröffnung der 23. Brandenburgischen Sommerkonzerte mit dem Staatsorchester Frankfurt (Oder) zeigt sich Königs Wusterhausen als idyllisch - Sommerstimmung?

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Das Staatsorchester Frankfurt (Oder) mit Dirigent Jürgen Bruns mit dramatischem Raum-Klang-Effekt. Foto: dpa
Das Staatsorchester Frankfurt (Oder) mit Dirigent Jürgen Bruns mit dramatischem Raum-Klang-Effekt.Foto: dpa

Die Luft tanzt über der Dahme und scheint leise zu lächeln, still ruht das kleine Schloss des Soldatenkönigs im milchigen Abendlicht, mit rot glühenden Schlieren versinkt die Sonne hinterm Funkerberg. Königs Wusterhausen, einst als Nazi-Hochburg verschrien, kann ganz schön idyllisch sein, wenn die Natur mitspielt – und das tut sie, zur Eröffnung der 23. Brandenburgischen Sommerkonzerte.

Vor der Kreuzkirche staut sich’s, Hunderte wollen rein zum Abend mit dem Staatsorchester Frankfurt (Oder), auch ehemalige Amtsträger wie Wolfgang Huber oder Jörg Schönbohm reihen sich geduldig ein. Was sie zu hören bekommen: Ein recht groß besetztes, professionelles Symphonieorchester mit Dirigent Jürgen Bruns in einem doch vergleichsweise intimen, in seinem Kern auf 1697 zurückgehenden barocken Kirchengehäuse.

Der Raum-Klang-Effekt ist tatsächlich dramatisch und zielt direkt aufs Herz, das kündigt sich schon an in den heiteren „Petits riens“ KV 299, den „kleinen Nichtigkeiten“, die Mozart 1778 in Paris für Ballett geschrieben hat: Vor allem die tiefen Streicher brummen wie ein ganzer Bienenkorb. Es wird ein reiner Mozart-Abend, durchaus diskussionswürdig: Viel haben die Sommerkonzerte hier programmatisch nicht gewagt. Charmant, kantabel, feingliedrig dafür Albrecht Menzel im fünften und letzten Violinkonzert A-Dur. Unerhört, wie sich hier ein 21-Jähriger scheinbar restlos in die Klangwelten des 18. Jahrhunderts versenkt, ohne dabei auch nur einen Augenblick die Wirkung im Hier und Jetzt zu vergessen.

Im dritten Satz allerdings fehlt es ihm dann doch an Angriffslust und Biss, den hat dafür das Orchester: Wann hat man je so deutlich, drastisch, dämonisch gehört, dass der türkische Marsch ein Fremdkörper ist, dass er einbricht in die Struktur und die ansonsten recht heile Rondo-Welt ganz grundsätzlich infrage stellt?

In der 38., der „Prager“ Symphonie dann: schroffe Kontraste, die Musiker kommen mit ihrer forschen Spielweise der Akustik der Kirche noch entgegen, der Hörer taucht ein, wird überströmt von Musik. Auch das Seitenthema im Finalsatz „seufzt“ hier nicht wie sonst, alles ist beherzt, kräftig, vital.

Grund zur Lebensfreude gibt es allemal: Draußen, im Garten, verschränken sich Kultur und Natur, Erinnerung an das eben Gehörte, Architektur und ekstatisch grünende Pflanzenwelt aufs Schönste. Und jeder Gast wirkt, als jubiliere er bei einem Glas Weißwein innerlich: Es ist Sommer, na endlich!

Bis 8. September. Das gesamte Programm unter www.brandenburgische-sommerkonzerte.de

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