Auftritt der Woche : Das Fieber steigt

Christina Stürmer, Österreichs EM-Sängerin, tritt im Admiralspalast auf. Stürmer selbst kann der Ballsportart nur wenig abgewinnen.

André Görke
stürmer
Kein großer Fußballfan. Ein Song der Sportfreunde Stiller verhalf Christina Stürmer zum Durchbruch. Sie selbst interessiert sich...Foto: dpa

Christina Stürmer kam sehr melancholisch daher. Sie lief langsam durch das warme Gewächshaus, strich über Pflanzenblätter, sang „Engel fliegen einsam“. Das Video wurde in Dahlem gedreht, im Botanischen Garten. 2005 war das.

Im Sommer 2008 kommt Christina Stürmer völlig aufgedreht daher. Sie hüpft mit Männern umher, die bunte Schminke im Gesicht tragen und fröhlich mit Nationalfahnen wedeln. „Wir haben Fieber / komm fieber mit / 100 000 folgen dir auf Schritt und Tritt“, singt sie. Die Menge tobt, Stürmer grinst, Flaggen wehen. Ihr Song „Fieber“ ist die offizielle Hymne des österreichischen Fußballverbandes für die Europameisterschaft 2008.

Christina Stürmer, geboren in Altenberg bei Linz, hat bereits jetzt einen gut gefüllten Terminkalender: Sie wird am 7. Juni das Fanfest in Wien – das kleine Pendant zur WM-Meile 2006 im Berliner Tiergarten – eröffnen. Am 8. Juni wird sie beim ersten EM-Spiel der österreichischen Nationalmannschaft dabei sein. Und am 9. Juni feiert sie ihren 26. Geburtstag. Das werden Festtage!

Vorher jedoch kommt Christina Stürmer erst einmal nach Berlin. Im Rahmen ihrer „Laut-los“Tour spielt sie am kommenden Sonntag im Admiralspalast in der Friedrichstraße, es ist quasi ihre Verschnaufphase vor dem krachend-lauten Sommer. Christina Stürmer, geboren in Linz, spielt in Berlin unplugged.

„Ich bin eigentlich gar kein großer Fußballfan“, hat Stürmer – Namenswitze verbieten sich auch ohne Fußball-EM – vor kurzem sympathisch-ehrlich gesagt und gar nicht erst versucht, sich anzubiedern. Fanlieder, dem Volk von Funktionären verordnet, sind immer eine heikle Sache: Herbert Grönemeyer hat für die Fifa die offizielle WM-Hymne 2006 („Zeit, dass sich was dreht“) gesungen – und blieb damit in den folgenden Wochen allein. Ähnlich unpopulär dürfte die Hymne der EM-Austragungsländer Österreich und Schweiz werden, die unlängst in der österreichischen Botschaft am Rande des Tiergartens vorgestellt wurde: Shaggy, bekannt als „Mr. Lover, Lover“ oder „Mr. Boombastic“, hat ein Liedchen eingespielt („Feel the rush“) und wird mit den Beats vielleicht Kulturschaffende begeistern, kaum aber die Kurve.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist auch „Helden 2008“ von der Hamburger Band Revolverheld, die das offizielle EM-Liedchen für den Deutschen Fußball-Bund trällern darf: „Dieses Jaaahr / geht das Fußballwunder weiter / Wir sind daaa / und wir werden Europameister.“ Der Schlagzeuger von Revolverheld ist HSV-Fan, doch Kurvenkompetenz hat in diesem Fall wenig genützt. Da auch DJ Bobos „Olé, Olé“ arg bemüht wirkt, dürfte das beste Sommerlied der EM 2008 der Nicht-Fußballfan Christina Stürmer geschrieben haben.

Ihre junge Karriere ist schnell nacherzählt, aber sie passt gut zur EM 2008. Der Weg nach oben begann 2003 bei einer Castingshow, die unter dem Namen „Starmania“ im ORF gezeigt wurde. Wie das Lied hieß, mit dem Christina Stürmer überzeugte? Es hieß: „Ein Kompliment“ – und stammt von einer Münchner Rockkapelle, die mit „54, 74, 90, 2006“ drei Jahre später das meistgesungene Lied der Fußball-WM erfunden hat. Genau: Christina Stürmer begann ihre Karriere mit einem Lied der Sportfreunde Stiller.

Sonntag, 4. Mai, 20 Uhr, Admiralspalast. Karten ab 27 Euro.

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