Auftritt im Admiralspalast : Helge Schneider geht die Düse

Mit Raketenantrieb und jeder Menge Müll meldet sich der Entertainer auf der Bühne zurück. Im Admiralspalast ist er ab 15. März zu sehen.

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Kommt ein Komiker geflogen. Obligatorisch geworden ist Helge Schneiders Werbeauftritt in der Weihnachtszeit.
Kommt ein Komiker geflogen. Obligatorisch geworden ist Helge Schneiders Werbeauftritt in der Weihnachtszeit.Foto: dpa

Helge Schneiders Berlinbesuch gehört zur Weihnachtszeit wie Plätzchen, Glühwein und bettelnde Zirkustiere. Wenn sich das Jahr dem Ende neigt, kommt er in die Stadt, um Werbung für sein neues Programm im Frühjahr zu machen. „Rettung naht ... Superhelgi auf Tournee“ lautet der Titel diesmal, und um zu erklären, was die Zuschauer erwartet, hat Schneider am Donnerstagvormittag in den Admiralspalast an der Friedrichstraße geladen, an den Ort also, an dem er vom 15. März an drei Wochen gastieren wird.

Die Vorstellung des neuen Programms ist ein Spektakel, das einer strengen Choreografie folgt, und die geht so: Die Fotografen stellen sich vor der von zwei Weihnachtsmännern flankierten Bühne auf, nicht ohne sich vorher um den besten Platz zu zanken; dann kommt Schneiders Agent und sagt, dass sich „der Helge“ ein paar Minuten verspäten wird; daraufhin stürzen sich ein paar hungrige Journalisten noch schnell aufs Büfett, das in diesem Jahr das Motto Kindergeburtstag zum Thema zu haben scheint und aus Wurstbroten mit Bärchengesichtern, Mini-Schokoküssen und kleinen Getränkepacks besteht, über dem Tisch baumelt eine Girlande. Alles so schön bunt hier.

Kurze Zeit später betritt Helge Schneider den Raum. In der einen Hand hält er ein zerfleddertes Vollkornbrötchen mit welker Salatgarnitur, in der anderen eine angebrochene Wasserflasche. Blitzlichtgewitter, Helge-Rufe, zaghafter Applaus aus den hinteren Reihen. Schneider tut, was er am besten kann: einfach nur da sein und Quatsch machen. Zum braunen Cordanzug trägt er einen gestreiften Pullover, die leicht melierten Haare fallen in weichen Wellen, das Lächeln im Gesicht sitzt schief. Alsdann steigt er auf die Bühne, wo Unmengen von Müll sorgsam drapiert herumliegen. Zwischen Plastiktüten, zerknautschten Tetra-Packs und leeren Saftflaschen nimmt er Platz. Dann wieder: Grinsen in alle Richtungen, Sitzprobe in einer Mini-Rakete.

Natürlich ist sich der 56-Jährige der Routine dieser Veranstaltung bewusst. „Irgendwer neu hier?“, fragt Schneider in die Runde, nachdem das Klicken der Kameras verstummt ist. Tatsächlich scheint er etwas überrascht, als eine Frau in der zweiten Reihe ihre Hand hebt und die vielleicht überflüssigste aller Fragen stellt: „Warum der Titel?“ Schneider antwortet reflexartig: „Warum nicht?!“ Es ist die einzig sinnvolle Antwort, die er darauf geben kann. Denn das, was der Musiker und Entertainer macht, folgt keiner Logik, es hat kein Konzept, es entsteht spontan. Und deshalb kann er zum jetzigen Zeitpunkt auch kaum was zum Inhalt der Show sagen. Nur so viel: „Ich werde Lieder singen, die ich selbst noch nicht kenne.“ Ach so.

Zum Schluss der Pressekonferenz verrät Schneider dann doch noch etwas Neues: dass er mal gerne wieder einen Film machen würde. „Deshalb ist das erst mal meine letzte Tournee“, sagt er und kündigt eine Pause für das Jahr 2013 an. In diesem Moment blickt er in erstaunte Gesichter, ein verhaltenes Raunen geht durch den Raum. Verwirrt verlässt man den Admiralspalast: Was tun nächstes Jahr zur gleichen Zeit?

Vom 15. März bis zum 8. April im Admiralspalast, Karten ab 20,50 Euro.

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