Berlin : Aufwärmphase für dieHooligans

Nach dem ersten Spiel des BFC Dynamo kam es zu Schlägereien. Besorgnis über Union-Begegnung wächst

Jörn Hasselmann

Schon am ersten Spieltag der neuen Oberliga-Saison ging es richtig zur Sache: Rund 150 Hooligans haben am Freitagabend nach der 1:2-Niederlage des BFC Dynamo im Stadion die Polizei angegriffen. Aus einer Fanmenge heraus warfen sie Flaschen und Steine auf die Beamten. Fünf Polizisten mussten ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Nur mit Mühe gelang es, die aggressiven Störer aus dem Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg zu drängen. Nach Verlassen des Stadions beschädigten die Randalierer mehrere parkende Autos und warfen Fensterscheiben ein. Zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei mussten Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen. Es gab sechs Festnahmen.

In der Nacht gab es dann eine weitere Schlägerei, nachdem zehn Hooligans in einem vietnamesischen Getränkemarkt an der Karl-Marx-Allee beim Diebstahl erwischt worden waren. Einer von ihnen wurde wegen gefährlicher Körperverletzung festgenommen. Ein wenig später von Passanten ganz in der Nähe mit schweren Kopfverletzungen gefundener 13-jähriger vietnamesischer Junge wurde entgegen erster Vermutungen kein Opfer der Fußballrowdys.

Die Vereinsführung des BFC warf der Polizei gestern ein zu hartes Vorgehen vor. Schatzmeister Sven Radicke sagte, dass die BFC–Fans nach dem Spiel von der Polizei regelrecht aus dem Stadion und in die U-Bahn hinein getrieben worden seien. „Dabei wollten wir nur noch unsere Getränke austrinken.“ Er selbst sei von einem Schlagstock getroffen worden, ebenso der Wirtschaftsrat Peter Proksch. Radicke vermutet: „Die Polizei übt schon für die WM 2006 – wo geht das besser als bei uns?“ Der BFC beklagt, dass der Verein von der Polizei schon routinemäßig zum Sündenbock gemacht werde.

Die Polizei konterte: Die Angriffe kamen aus dem BFC-Block. Etwa 150 Hooligans hätten die Auseinandersetzung gesucht. Alle waren sie freizeitmäßig gekleidet, hatten also keine BFC-Devotionalien an sich. Nach Erkenntnissen der Sonderkommission „Hooligan“ der Polizei waren bei dem Spiel 250 BFC-Fans der Kategorie B und 50 der „harten“ Kategorie C (siehe Kasten). Die wenigen Fans des türkischen Vereins Yesilyurt waren friedlich. Schatzmeister Radicke behauptete gestern, dass diese Fans aus dem Umland angereist seien.

Nach diesem ersten Spieltag ist die Besorgnis vor dem Spiel in zwei Wochen noch einmal gewachsen. Am 21. August tritt der BFC auswärts beim 1. FC Union an, 3000 BFC-Fans wollen nach Köpenick reisen. „Ein absolutes Risikospiel“ – so die Einschätzung der 23-köpfigen Soko Hooligans. Denn mit Union ist der BFC seit Jahrzehnten verfeindet, beide Mannschaften treten erstmals seit Jahren wieder gegeneinander sein.

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