Augenzeugen berichten : "Ein riesiger Knall"

Nachbarn halfen zuallererst am Unfallort. Der Lokführer musste aus Kabine geschnitten werden. Wie die Augenzeugen den Unfall erlebt haben.

Es war kurz nach 22 Uhr, als Jessica Dähne ein „lautes Krachen“ hörte. „Draußen ist was passiert!“ rief die 21-Jährige ihrer Mutter zu, die gleichfalls aufgeschreckt war und sofort ihre Erste-Hilfe-Tasche schnappte. Denn Elke Herzfeld (41) arbeitet als gelernte Krankenschwester im Helios-Klinikum Buch. Nun rannte sie zum Bahndamm und kümmerte sich schon wenige Minuten nach dem Zusammenstoß um Verletzte. Ihr Weg dorthin war kurz, sie wohnt mit ihrer Tochter in der Liebenstraße, nur etwa 100 Meter vom Unglücksort entfernt.

Andere Augenzeugen wie Anwohner Ulrich Militz berichteten gleichfalls von einem „riesigen Knall“. Auch Militz wohnt in der Liebenstraße, die parallel zum Bahndamm verläuft. „Ich verfolgte gerade im Fernsehen das Fußballspiel zwischen Manchester City und Hamburg“, erzählt er. Der Knall habe ihn förmlich „aus dem Sessel gerissen.“ Acht bis zehn Minuten habe es gedauert, dann sei mit Sirenengeheul ein halbes Dutzend Krankenwagen eingetroffen.

Bis dahin hatten die Krankenschwester Elke Herzfeld und ihre Tochter Jessica schon etliche Verletzte versorgt und beruhigt. Gestern lobte ein Sprecher der Bahnpolizei diesen spontanen Einsatz, gab aber auch zu bedenken, dass sich beide Frauen „einer großen möglichen Gefahr“ ausgesetzt hätten. Denn bei dem Aufprall hatte die Lok die Oberleitungen teils heruntergerissen. Wäre diese mit den Schienen in Berührung gekommen, bevor die Bahn den Strom abschaltete, hätte ein Tritt auf die Gleise den Tod gebracht.

Die meisten der 22 Fahrgäste im aufgefahrenen Regionalexpress erlitten Prellungen und Schürfungen, etliche standen unter Schock. Auch beim Aussteigen aus den Waggons und beim Herunterklettern vom Bahndamm auf die Straße zogen sich einige Wunden zu. Eine Frau, zu der die Bundespolizei keine weiteren Angaben machte, soll durch den Unfall einen Gedächtnisverlust erlitten haben. Die Mehrzahl der Opfer wurde ins Helios-Klinikum Buch gebracht, ein Verletzter kam in die Caritas-Klinik Pankow.

Lokführer André M. (47) kam mit einem Nasenbeinbruch und einem Oberarmbruch in die Klinik in Buch. „Der Mann hat viel Blut verloren“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Er musste von der Feuerwehr mit schwerem Gerät aus dem völlig verbeulten Führerstand herausgeschnitten werden.Ste./tabu

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