Berlin : Aus allen Richtungen werden Weihnachtsbäume nach Berlin geschickt (Kommentar)

Matthias Oloew

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Auch Städte beschenken sich untereinander. Bierseidel aus dem Bayerischen, Zinnteller aus dem Schwäbischen, Teeservices aus dem Friesischen - in den Asservatenkammern der Rathäuser sammelt sich vieles an. Wegwerfen? - Das will niemand verantworten. Die Bürgermeister begutachten das Zeug bestenfalls, wenn sie sich der Freundschaft der Städte versichern wollen. Den Rest des Jahres staubt der gut gemeinte Nippes weitgehend unbeachtet vor sich hin.

Besonders gute Freunde bringen daher Geschenke, die nach kurzer Zeit entsorgt werden können. Zum Essen etwa einen Strauß Blumen oder eine Flasche Schampus, die sofort geleert wird. Die Freundschaft ist bewiesen, die Vitrinen bleiben von den Staub fangenden Andenken befreit.

So gesehen muss Berlin viele gute Freunde haben. Wie sonst lässt es sich erklären, dass derart viele Weihnachtsbäume aus allen Regionen in diesen Tagen aufgestellt werden? Nach dem Fest werden sie zu Kompost. Die Norweger schicken wieder - wie seit zehn Jahren - ein hübsches Exemplar fürs Brandenburger Tor, die Niederösterreicher gleich ein Bündel fürs Rote Rathaus, das Abgeordnetenhaus und das Schöneberger Rathaus, und auch der Bundespräsident hat jetzt einen Baum bekommen, auf dass er ihn weihnachtlich stimme.

Praktisch ist das. Für die finanziell gebeutelte Stadt in zweierlei Hinsicht: Zum einen müssen aus den eigenen Forsten keine Bäume gefällt werden, zum anderen kein teuer bezahltes Personal die Freundschaftsgaben über Jahre abstauben. Da freuen sich alle, frohlocken gar. So entspannt sind Freundschaften nur zu Weihnachten.

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