Berlin : Aus Angst vor der Schule sprang Jan aus dem Fenster

Direkt vor dem Landeskriminalamt stürzte ein 14-Jähriger in die Tiefe. Polizisten versuchten, den Jungen zu beruhigen – vergeblich

Jörn Hasselmann

Jan wollte nicht zur Schule, partout nicht. Die Angst des 14-Jährigen war so groß, dass er sich gestern Vormittag aus 15 Metern Höhe in die Tiefe stürzte – und das, obwohl Kriminalbeamte zuvor versucht hatten, den Jungen zu beruhigen. Jan stellte sich auf den Fenstersims des Tiergartener Altbaus direkt gegenüber dem Landeskriminalamt; Minuten verrannen. Als die Feuerwehr gerade das Sprungkissen aufbauen wollte, ließ Jan sich fallen. Mit lebensgefährlichen Verletzungen liegt der Schüler jetzt im Virchow-Klinikum. Mit seinen Brüdern und seiner Mutter wohnt er in der Wichmannstraße in Schöneberg, aus seinem Kinderzimmerfenster sieht er die Rückseite des Landeskriminalamtes in der Keithstraße. Dort sitzt unter anderem die Mordkommission, aber auch das Kommissariat, das sich mit Jugendschutz beschäftigt. Ein Beamter griff sofort zum Telefonhörer, als er das Splittern hörte. Jan hatte mit einer Eisenstange das linke Treppenhausfenster zwischen dem 3. und 4. Obergeschoss eingeschlagen und war auf den Sims geklettert. Da war es 9.25 Uhr. Nachdem der Beamte die Feuerwehr alarmiert hatte, öffnete er das Fenster und sprach mit dem Jungen. Doch Jan wollte nicht zurück ins Treppenhaus klettern und auch nicht warten, bis die Feuerwehr das Sprungtuch aufgebaut hat. Mit Entsetzen sah der Kriminalbeamte aus etwa 25 Metern Entfernung, wie der Junge in die Grünfläche im Hof stürzte, der Feuerwehr vor die Füße. Der Notarzt kämpfte eine Stunde im Innenhof um das Leben des Jungen. Am Nachmittag war der Junge außer Lebensgefahr.

Um 8 Uhr sollte Jan in der Schule sein, kurz zuvor hatte er sich von seiner Mutter verabschiedet. Doch der Junge schlich sich über den Hof zurück in sein Zimmer der Parterrewohnung. Doch die Mutter hörte ihn kurz darauf und ermahnte ihn, jetzt sofort zur Schule zu gehen. Sie schrieb ihrem Sohn noch einen Entschuldigungsbrief für die versäumte erste Stunde, dann verließ Jan ein zweites Mal die Parterrewohnung – doch wieder nicht in Richtung Schule, denn dort wurde er gehänselt, hieß es. Jan stieg die dreieinhalb Treppen in dem Altbau nach oben, mit einer mitgebrachten Stange schlug er eine Scheibe des obersten Fensters ein. Er wusste offensichtlich, dass die Fenstergriffe dort abmontiert waren, die Flügel kann nur der Hausmeister mit einem speziellen Vierkantschlüssel öffnen.

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