Berlin : AUS DEM GERICHT

Nebenbuhler erstochen: Labortechniker spricht von Affekt



Als sich ausgerechnet der Freund der Familie als Nebenbuhler offenbarte, verlor der Labortechniker die Beherrschung: Guido K. griff zu einem Messer und stach im Streit sieben Mal auf den 34-jährigen Computerspezialisten ein. Während die Staatsanwaltschaft von einem Mord ausgeht, berief sich der Angeklagte gestern auf eine Affekttat. „Für mich brach eine Welt zusammen“, erklärte der 37-jährige Labortechniker. Er habe bis zu jenem Besuch in der Wohnung des späteren Opfers geglaubt, eine gute Ehe zu führen.

Der Angeklagte will am 3. Januar zu dem Neuköllner Computerspezialisten gefahren sein, um unter vier Augen über seine Ehefrau zu reden. Ihn hätten heimliche Telefonate und SMS, die seine Gattin in den Tagen zuvor erhalten hatte, misstrauisch gemacht. Der Computerspezialist soll ihm da verkündet haben: „Sie wird dich verlassen, wir lieben uns.“ Provokationen des Geliebten seiner Ehefrau („Ich bin der bessere Liebhaber“) hätten ihn zutiefst verletzt, sagte der Angeklagte. Als es zu einer Rangelei kam, habe er auf dem Tisch ein Messer gesehen und zugestochen. Laut Anklage soll er sich dagegen in die Wohnung geschlichen und den Nebenbuhler im Schlaf attackiert haben. Die 37-jährige Ehefrau verweigerte vor Gericht die Aussage. Der Prozess wird am 16. August fortgesetzt. K. G.

Überreaktion im Amt: Polizist

wegen Körperverletzung verurteilt

Der Beamte hatte von einer Abwehrreaktion gesprochen, das Gericht aber ging von grundloser Gewalt aus: Ein 37-jähriger Polizeiobermeister wurde gestern wegen Körperverletzung im Amt zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Amtsgericht Tiergarten sah es als erwiesen an, dass er bei einem Einsatz im November in Spandau einem Betrunkenen in dessen Wohnung ein Knie in den Unterleib rammte. Der Angeklagte habe „völlig überreagiert“, hieß es im Urteil.

Das Verfahren war durch Berichte von zwei Polizisten ins Rollen gekommen, die ebenfalls an dem Einsatz wegen Ruhestörung beteiligt waren. Im Prozess sagten die Zeugen, sie seien über die Attacke ihres Kollegen „geschockt“ gewesen. Der vom Dienst suspendierte Beamte dagegen erklärte, er habe einen Angriff des Betrunkenen erwartet und deshalb zum Selbstschutz ein Knie angezogen. K. G.

Tankstellen überfallen: Bewährungsstrafen für Jugendliche

Der Hauptangeklagte war gerade 15 Jahre alt: Nach einer Serie von bewaffneten Überfällen auf elf Tankstellen legten vier Jugendliche gestern vor dem Landgericht Geständnisse ab. Bei den Raubzügen in Charlottenburg, Wilmersdorf und Steglitz hatten die heute 16- bis 21-Jährigen 2006 knapp 15 000 Euro und Zigaretten erbeutet. An zehn der Taten war der jüngste Angeklagte beteiligt. Er hatte Tageseinnahmen in Höhe von bis zu 4100 Euro geraubt.

Maskiert und mit einer Schreckschusspistole bewaffnet waren die Räuber meistens nachts aufgetaucht. „Geld her, das ist kein Spaß“, drohten die Täter. In einem Fall wurde ein Tankstellenmitarbeiter durch einen Schlag mit der Waffe im Gesicht verletzt. Im Prozess entschuldigten sich die Jugendlichen und zeigten Reue. Alle sprachen von Problemen im Elternhaus. „Es gab viel Streit mit meinem Vater, da hat es angefangen“, sagte einer der Angeklagten. Zwei der Räuber saßen sechs Monate in Untersuchungshaft. Der nicht vorbestrafte Haupttäter sei durch seine Drogensucht auf die schiefe Bahn geraten, erklärte der Verteidiger. Das Urteil fiel mit Jugendstrafen zwischen neun Monaten und zwei Jahren Haft auf Bewährung milde aus. K. G.

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