Berlin : AUS DEM GERICHT

Kind lief bei Rot:

Freispruch für Autofahrer



Die Bilder verfolgen den Autofahrer bis heute. „Im Bruchteil einer Sekunde war das Kind da und knallte urplötzlich auf mein Auto“, sagte der 53-Jährige gestern vor dem Amtsgericht. Der sechsjährige Junge, der mit einem Freund und einer 64-jährigen Begleiterin zum Fußballspielen wollte, war trotz roter Fußgängerampel losgerannt. Der Renault-Fahrer konnte nicht mehr bremsen. Im vierten Prozessanlauf urteilten nun die Richter: „Der Unfall war nicht zu vermeiden.“

Der Handwerker aus Charlottenburg war am frühen Abend des 30. September 2006 auf dem Heimweg, als auf der Neuen Kantstraße die Tragödie geschah. Der Junge starb wenig später. Die Anklage hatte dem Fahrer vorgeworfen, sich „nicht auf etwaiges Fehlverhalten des Kindes“ eingestellt zu haben. Nach einem Gutachten fuhr der Angeklagte nicht zu schnell. Das Kind lief nach Zeugenaussagen relativ zügig. Zudem sei der Junge wahrscheinlich durch ein Straßengitter verdeckt worden. Die Reaktionszeit für den Autofahrer habe bei „nur etwa einer Sekunde“ gelegen, begründete das Gericht den Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung. K. G.

Säugling starb an Hirnblutung:

Großmutter bestreitet Schütteln

Massive Gewalt führte vor mehr als drei Jahren zum Tod eines fünf Wochen alten Babys. Zunächst war der Vater des Mädchens verdächtigt worden, dann die Reinickendorfer Großmutter. Die aus dem Libanon stammende 14-fache Mutter erklärte gestern im Prozess um Körperverletzung mit Todesfolge: „Das sind Verleumdungen.“ Man habe ihr die Sache aus Hass „aufgebürdet“. Stiefkinder sollen die 47-Jährige belastet haben. Laut Anklage soll die Großmutter das Baby mit dem Kopf nach unten gehalten und kräftig geschüttelt haben, „um eventuelle Spannungen nach einer angeblich im Libanon üblichen Vorgehensweise bei dem Kind zu lösen“. Das Baby sei dabei mit dem Hinterkopf gegen einen Gegenstand geprallt. Es starb drei Tage später in einem Krankenhaus an Hirnblutungen. Der Prozess wird morgen fortgesetzt. K. G.

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