Berlin : AUS DEM GERICHT

Betrug auf Rezept: Apotheker schwieg zu Vorwürfen



Der Apotheker hatte seine Approbation gerade mal ein Jahr, als er laut Anklage in ein schmutziges Geschäft mit teuren Medikamenten einstieg. Khalid A.-D. soll mit Komplizen zwischen 1998 und 2001 durch Betrügereien mit Rezepten von Krankenkassen rund 700 000 Euro erschlichen haben. Vorm Landgericht verweigerte der 42-Jährige am Donnerstag die Aussage. In der Weddinger Apotheke seien regelmäßig Kunden aufgetaucht, die Rezepte abgaben und mit leeren Händen oder mit Kosmetikartikeln gingen, sagte eine Ex-Mitarbeiterin des Angeklagten. Er soll Verordnungen, die sich Mittäter betrügerisch verschafft hatten, zur Verrechnung eingereicht haben, obwohl er die entsprechenden Präparate nicht aushändigte. Ein AOK-Mitarbeiter gab im Prozess an, dass solche Betrügereien bis heute nicht auszuschließen seien. Der Zeuge arbeitet derzeit an einem Kontrollsystem. Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt. K. G.

Falscher Professor: Luxusleben durch Schwindeleien

Wieder wurde der 73-jährige Angeklagte im Rollstuhl in den Saal geschoben, erneut kam der Prozess kaum voran: Wie beim ersten Anlauf im Juli ging es vor allem um die Frage der Verhandlungsfähigkeit. Mit Leidensmine verfolgte Wolfgang E. die Diskussionen. Er gilt als notorischer Betrüger. Seit den achtziger Jahren soll er insgesamt nur neun Jahre in Freiheit gewesen sein. Diesmal geht es um eine Serie von Schwindeleien mit falschen Titeln und Scheinfirmen mit einem Gesamtschaden von mehr als 100 000 Euro. E. mietete sich laut Anklage als „Dipl. Ing.“ oder angeblicher Professor in noblen Hotels ein oder bestellte Waren, die er nie bezahlen wollte. Zuletzt war E. in Berlin verurteilt worden, weil er als Häftling zu Unrecht Sozialhilfe kassiert hatte. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. K. G.

Mädchen angefasst: Bewährung

für Straßenmusiker

Der 32-jährige Straßenmusiker nickte, als der Richter das Urteil verkündete: Wegen sexuellen Missbrauchs einer Elfjährigen wurde Petru L. zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte die Schülerin im Juli in einem Keller in Wedding berührt. Entgegen der Anklage konnte nicht festgestellt werden, dass L. das Mädchen in das Haus gezerrt hatte. Es sei möglich, dass es eine „Art Vereinbarung“ gab, gegen fünf Euro sexuelle Handlungen vorzunehmen, hieß es. K. G.

Kapitalverbrechen: Drei Fälle

angeklagt

Nach Brandanschlägen auf zwei Einfamilienhäuser in Rudow kommen zwei 16- und 19-Jährige wegen Mordversuchs vor Gericht. Die Anklage geht von fremdenfeindlichen Motiven aus. Die Jugendlichen sollen Molotowcocktails auf die Häuser türkischstämmiger Familien geschleudert haben. Die Brandflaschen sind jeweils an der Hauswand abgeprallt. Der Prozess soll am 25. November beginnen. Ebenfalls wegen Mordversuchs wurden zwei 19- und 23-Jährige angeklagt, die im Mai „aus Langeweile und Neugierde“ eine Eisenkette von einer Brücke in Pankow auf die Autobahn A 100 gehängt haben sollen. Anklage wurde zudem gegen einen 23-Jährigen erhoben, der am 5. Mai auf seine von ihm getrennt lebende Frau eingestochen haben soll. K. G.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben