Berlin : AUS DEM GERICHT

20-jähriger Franzose

nach Mai-Krawallen 2008 verwarnt

Sein rotes T-Shirt überführte den jungen Franzosen: Der 20-jährige Thibault P. warf bei den Mai-Krawallen 2008 zwei Flaschen in Richtung Polizei. Davon war gestern eine Jugendrichterin überzeugt. Als es an der Warschauer Brücke zu Ausschreitungen kam, habe sich P. mitreißen lassen. Der Dachdecker aus Paris wurde des schweren Landfriedensbruchs und der versuchten gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Da er nicht vorbestraft ist und sich dem Verfahren stellte, hielt das Gericht eine Verwarnung für ausreichend. P. hatte die Vorwürfe bestritten. Er sei unbeabsichtigt in den Tumult geraten und habe keine Flasche geworfen.

Nach den diesjährigen Mai-Krawallen hat die Staatsanwaltschaft bereits rund 20 Anklagen gegen Beschuldigte aus Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg, Bayern und Polen erhoben. Zu einem ersten Prozess gegen einen mutmaßlichen Randalierer, der in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai Polizisten mit Glasflaschen attackiert haben soll, könnte es nach Justizangaben bereits am Freitag kommen. Eine Haftprüfung werde möglicherweise in eine Verhandlung übergeleitet. Die Polizei hat am Abend und in der Nacht des 1. Mai 289 Personen festgenommen. 17 der Verdächtigen befinden noch in Untersuchungshaft. K.G.

Tödlicher Streit: Marzahner stach auf Zigarettenhändler ein

Kurz vor der tödlichen Attacke rief Tino W. im vergangenen August bei der Polizei an. Er habe einen vietnamesischen Zigarettenhändler erwischt, rief er ins Telefon. „Ich halte den Mann fest!“ Als die Beamten wenig später eintrafen, lag das Opfer lebensgefährlich verletzt vor einem Supermarkt in Marzahn. Der 20-jährige Vietnamese verstarb in einem Krankenhaus. Der 36-jährige W. muss sich seit gestern wegen Totschlags vor dem Landgericht verantworten.

Es war möglicherweise eine Art Selbstjustiz, die den nach Angaben seiner Mutter psychisch kranken W. trieb. Der Marzahner soll sich schon lange über den illegalen Zigarettenhandel aufgeregt und angekündigt haben, dass er etwas unternehmen werde. Nach seiner Festnahme gab er den wuchtigen Stich in die Brust des Opfers zu, berief sich aber auf Notwehr. Vor Gericht will er sich am Mittwoch zu den Vorwürfen äußern. Derzeit befindet er sich in der Psychiatrie. K.G.

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