Berlin : AUS DEM GERICHT

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Bewährungsstrafe

nach Bedrohung einer 68-Jährigen

Der Besuch bei einer Kundin endete für den Vertreter mit einer bösen Überraschung: Mike C. wurde auf der Straße festgenommen. Die Frau hatte in dem Mann, der ihr ein teures Gerät für Wasseraufbereitung verkaufen wollte, einen Betrüger gesehen. Als er kurz darauf wieder ein freier Mann war, griff er wütend zum Telefonhörer, beschimpfte die 68-Jährige als „Schlampe“ und stieß in einem zweiten Anruf sogar Todesdrohungen aus. Vor dem Amtsgericht Tiergarten erklärte der 35-Jährige gestern: „Es tut mir leid. Ich war stinksauer, habe in der Situation überreagiert.“ Die Frau soll der Polizei erklärt haben, dass sich C. als Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe ausgegeben habe. Von einem solchen Schwindel distanzierte er sich. Zu Unrecht sei er beschuldigt worden. Er habe dadurch auch seinen Job verloren. Mit den Anrufen habe er der Frau zeigen wollen, wie man sich fühle, wenn einem Unrecht geschieht. Der Vorwurf des versuchten Betruges wurde bereits im Vorfeld des Prozesses eingestellt. Es blieben aber Beleidigung und Bedrohung, für die der jetzt Arbeitslose zu dreieinhalb Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. K.G.

Blutiger Streit

um verletzte Familienehre

Der Streit ging laut Anklage um „verletzte Familienehre“ und führte zu fünf zum Teil schwer Verletzten: Zwei gebürtige Libanesen im Alter von 23 und 24 Jahren sowie ein 23-jähriger Deutscher müssen sich seit gestern wegen versuchten Totschlags verantworten. Sie sollen zwischen August 2004 und April 2005 bei Auseinandersetzungen innerhalb einer zerstrittenen arabischen Großfamilie auf ihre Opfer eingestochen oder massiv eingeschlagen haben. Der erste Vorfall ereignete sich den Ermittlungen zufolge in Kreuzberg. Bei einer Massenschlägerei soll einer der Angeklagten zwei Männer mit Stichen in Brust und Bauch lebensgefährlich verletzt haben. Beide konnten nur durch Notoperationen gerettet werden. Alle drei Angeklagten waren laut Anklage dabei, als zwei weitere Männer des verfeindeten Lagers bei einer Messerstecherei vor einer Schöneberger Diskothek schwer verletzt wurden. Wenige Tage zuvor sollen die gebürtigen Libanesen den von ihrer Schwester getrennt lebenden Ehemann misshandelt haben. Zum Prozessauftakt schwiegen die Angeklagten gestern vor Gericht. K.G.

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