Berlin : AUS DEM GERICHT

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Hohe Haftstrafe für „Killer Boy“:

14-jähriger Serientäter verurteilt

Er ist erst 14 Jahre alt, ein knapp 1,60 Meter großer Knabe mit rundem Gesicht. Doch er machte die Straßen Neuköllns unsicher, hatte das Rauben zum Alltag gemacht: Ali (Name geändert) wurde gestern zu vier Jahren und sieben Monaten Jugendhaft verurteilt. Damit ahndete ein Jugendschöffengericht eine Serie von knapp 30 Straftaten. Der Junge arabischer Herkunft soll – teils allein, teils mit Komplizen – in Bussen, U-Bahnhöfen oder auf der Straße andere Jugendliche überfallen und Geld, Handys oder MP3-Player erbeutet haben.

Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der jugendliche Serientäter einer Jugendgang angehört haben, die sich selbst als „Neuköllner Killer Boys“ bezeichnete. Es hieß, Ali sei der Anführer gewesen. 50 bis 70 Araber sollen sich bis zum Frühsommer zu den „Killer Boys“ gezählt haben. Nach Schilderungen eines Beamten waren sie gefürchtet, was mittlerweile nicht mehr der Fall sei.

Ali habe die Vorwürfe in den ersten Vernehmungen bei der Polizei zum Teil eingeräumt, sagte seine Verteidigerin am Rande des nichtöffentlichen Prozesses. Vor den Richtern soll er große Teile der Anklage zugegeben haben. Es ging nicht nur um Raub und räuberische Erpressung, sondern auch um Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitz. Bei den Überfällen soll Ali mehrfach mit einem Messer oder Schlagring bewaffnet gewesen sein. Für den 14-Jährigen war es der erste Prozess, ein zweiter könnte folgen. Nach seiner Festnahme Ende Mai sprachen die Ermittler von etwa 70 Taten, an denen Ali beteiligt gewesen sein soll. Die Umstände hätten ihn auf die schiefe Bahn gebracht, sagte die Verteidigerin. „Seine Staatsangehörigkeit ist ungeklärt, er hat keinen festen Halt in der Gesellschaft.“ Die Haft allerdings habe ihn bereits sehr „zum Positiven“ verändert. K.G.

Der kleine Postraub:

Prozess gegen zwei Mitarbeiterinnen

Zwei Mitarbeiterinnen der Post bedienten sich monatelang an Geldgeschenken, die per Brief unterwegs waren. Beträge zwischen fünf und 400 Euro steckten sie ein. Bis sie auf frischer Tat ertappt wurden. Kleinlaut und reuig saßen die 42 und 44 Jahre alten Frauen gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten. „Im Prinzip habe ich das Geld gar nicht gebraucht“, meinte die eine, die andere sprach von einer „Dummheit“. Beide räumten die 57 Fälle ein.

Sie arbeiteten im Briefverteilzentrum Schöneberg. Angela S. und Angela R. waren erfahrene Mitarbeiterinnen – die eine arbeitete 27 Jahre bei der Post, die andere 15 Jahre. Nach Version der Diebinnen begann alles mit einem geöffneten Brief, den sie in der „Fundkiste“ entdeckten. Sie stahlen dann Hand in Hand: „Eine hat geöffnet, die andere das Geld eingesteckt.“ Hinterher wurde geteilt. Knapp 3600 Euro stibitzten die beiden Frauen zwischen Juni 2005 und März 2006. Als sich die Verlustanzeigen häuften, fiel der Verdacht der Innenrevision auf das Duo. Die Ertappten verloren ihren Job und ihre betriebliche Altersvorsorge. Die Beute haben sie bis auf 1000 Euro zurückgezahlt. Sie hätten das Vertrauen der Bürger in die Post geschädigt, hielt ihnen das Gericht vor und verhängte jeweils neun Monate Haft auf Bewährung.K.G.

Urteil um Bankenaffäre:

Bewährung für Ex-Manager

In der juristischen Aufarbeitung der Berliner Bankenaffäre wurde gestern ein Jurist und einstiger Fonds-Manager wegen Steuerhinterziehung zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss der 53-jährige Christian Lauritzen 200 000 Euro zahlen. Hintergrund des Prozesses sind Geschäfte der Immobilienfirma der früheren Bankgesellschaft mit dem Immobilienunternehmen Aubis. Es geht um Grunderwerbssteuern in Höhe von insgesamt rund 2,35 Millionen Euro. Diese Summe soll dem Fiskus entgangen sein, als in den 90er Jahren Plattenbauten der Aubis-Gruppe in den Immobilienfonds „LBB 12“ der Bankgesellschaft übertragen wurden. Lauritzen war damals als Rechtsberater und als geschäftsführender Komplementär des fraglichen LBB-Fonds mit dem Geschäft befasst. Seine anwaltlichen Pflichten habe Lauritzen nicht verletzt, betonte das Gericht. Doch als Komplementär hätte er überprüfen müssen, ob die aus den Transfers resultierende mögliche Steuerpflicht dem Finanzamt auch gemeldet wurde.

Bereits am ersten Prozesstag war das Verfahren gegen einen damaligen Projektmanager gegen eine Geldbuße von 10 000 Euro eingestellt worden. Er hatte wie Lauritzen die Vorwürfe umfassend eingeräumt und bedauert. Ob dem nach bisherigen psychiatrischen Gutachten verhandlungsunfähigen Neuling doch noch der Prozess gemacht werden kann, soll sich bis Mitte Dezember entscheiden. Bei den verbleibenden Angeklagten handelt es sich um den früheren Chef der Immobilienfirma der einstigen Bankgesellschaft, Manfred Schoeps, und einen Notar.K.G.

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