Berlin : AUS DEM GERICHT

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Falscher Heizungsmonteur:

Hohe Haftstrafe für Trickdieb

Der Mann konnte es offenbar nicht lassen. Kaum war er aus dem Gefängnis entlassen, schlug der Trickdieb Jürgen G. erneut zu. So ging es seit vielen Jahren. Zuletzt waren es gerade mal vier Tage, die zwischen Entlassung nach viereinhalb Jahren Haft und einer neuen Serie als falscher Heizungsmonteur lagen. Wieder waren es zumeist ältere Mieter, die der heute 50-Jährige in unbeobachteten Momenten bestahl. „Aber das war wirklich das letzte Mal“, versicherte Jürgen G. gestern vor dem Landgericht. Viel mehr wollte er nicht sagen, den Rest überließ er seiner Verteidigerin. Sie bezeichnete ihn als einen „einfach strukturierten“ Mann, der nicht einmal besonders clever vorgegangen sei. „Er nahm, was er greifen konnte“, sagte die Anwältin. Das sah die Anklage anders. „Er ging mit hoher Professionalität vor“, sagte die Staatsanwältin und listete dann knapp 40 Opfer auf. An Skrupellosigkeit und Überzeugungskraft scheint es dem Serientäter nicht gemangelt zu haben: Er tauchte vor allem in Seniorenwohnheimen auf – gekleidet wie ein Monteur, mit einer Schreibmappe unter dem Arm und freundlichen Worten zur Begrüßung: „Ich komme von der Hausverwaltung.“ Mal waren angeblich die Heizkörper zu inspizieren, mal Ventile zu überprüfen. Während er seine Opfer die Heizungsventile öffnen ließ, suchte er nach Beute und verschwand dann schnell.

Zwischen Mitte Mai und Ende August 2006 ergaunerte der Trickdieb rund 30 000 Euro Bargeld und Schmuck. Einer 97-jährigen Rentnerin war nach seinem Besuch 7000 Euro ärmer. Jürgen G., ein Mann ohne Familie und ohne Beruf, verprasste seine Beute umgehend. Er wohnte in verschiedenen Hotels und ging zwischen seinen Diebestouren auf Reisen – nach Venedig, Rom, Wien oder Rügen. Die Polizei hatte den vorbestraften Trickdieb bald wieder im Visier. Als er gefasst wurde, legte Jürgen G. sofort ein umfassendes Geständnis ab. Er suchte nach Rechtfertigungen. „Ich bin seit 1979 ein Krimineller“, soll er erklärt haben. Man habe ihn auf ein Leben in Freiheit nicht ausreichend vorbereitet, behauptete er. Um einen legalen Broterwerb aber soll er sich erst gar nicht bemüht haben.

„Ich werde mehr arbeiten“, versicherte gestern der Angeklagte. Um eine hohe Haftstrafe kam er trotzdem nicht herum: Sechseinhalb Jahre Gefängnis verhängten die Richter. Jürgen G. sei mit „enormer Geschwindigkeit“ rückfällig geworden und habe sich wieder gezielt das Vertrauen von Menschen erschlichen. Sollte es nach der Entlassung wieder zu Straftaten kommen, drohe Sicherungsverwahrung. K. G.

Streit vor Kreuzberger Lokal:

Prozess um Messerattacke

Der Angreifer zog plötzlich ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge: Nach einem Streit vor einem Lokal in der Wiener Straße in Kreuzberg wurde ein 24-jähriger Lehrling lebensgefährlich verletzt. Fünf Monate nach der Attacke muss sich seit gestern ein 34-jähriger Türke wegen versuchten Totschlags verantworten. Der junge Mann konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Der Angeklagte, ein arbeitsloser Gastronom, erklärte, er habe vermutlich „im Reflex“ zugestochen. Er sei an jenem frühen Morgen Anfang Oktober letzten Jahres eigentlich auf dem Heimweg gewesen. Das spätere Opfer habe mit einer Begleiterin vor dem Lokal gestanden. Er könne heute nicht mehr sagen, wie es zum Stich gekommen ist, erklärte der Angeklagte. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. K. G.

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