Berlin : AUS DEM GERICHT

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Vier Jahre Haft nach Messerangriff auf Ehefrau

Der türkische Ehemann hatte den Angriff mit seiner „verletzten Ehre“ verteidigt. Wenn eine Frau den Mann verlasse, sei das in der Tradition seiner anatolischen Herkunft eine Schande. Die Tat aber sei kein Ausdruck von Ehre, sondern von Machtdenken, befand das Gericht. Fünf Monate nach der Messerattacke auf seine Frau wurde Aydin G. gestern zu vier Jahren Haft verurteilt.

Der 37-jährige Vater von vier Kindern war in der Nacht zum 5. November letzten Jahres durch ein Fenster in die Wohnung seiner Frau in Kreuzberg eingestiegen. Zwei Wochen zuvor hatte sich die 35-Jährige von ihm getrennt. Er versteckte sich im Schlafzimmer und wartete. Gegen Mitternacht kamen Frau und Kinder von einer Feier. Als sie eingeschlafen waren, griff er die Mutter an.

Jemanden zu Hause im Schlaf zu überfallen, sei das „Übelste, was man machen kann“, hieß es im Urteil. G. habe in „hilfloser Wut“ über die Trennung zugestochen – zum Teil vor den Augen einer Tochter. Die Mutter erlitt mehrere Schnittverletzungen und konnte nach einigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Einen von der Anklage zunächst angenommenen Mordversuch sahen die Richter nicht. Sie waren überzeugt, dass der Mann den Angriff nach einem Stich in den Bauch und einem zweiten in den Arm freiwillig beendet hatte. G. wurde der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen.

Das türkische Paar hatte 1989 geheiratet. Es soll eine arrangierte Hochzeit gewesen sein. Seit 2002 fand der Mann keine regelmäßige Arbeit mehr. Die Ehe habe wohl unter der Arbeitslosigkeit des Angeklagten und die dadurch bedingten Geldsorgen gelitten, hieß es im Urteil.

Kinder geschlagen: Bewährungsstrafen gegen Eltern

Nach gewalttätigen Übergriffen auf ihre kleinen Töchter wurde eine 27-jährige Mutter gestern zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Gegen den Vater erging eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Die Frau hatte gestanden, eines der Mädchen einmal heftig geschubst, das andere mehrmals mit Faust und flacher Hand geschlagen zu haben. Der Mann hatte in einem Fall zugeschlagen. Die Eltern leben jetzt getrennt. Die dreieinhalbjährige Tochter wohnt beim Vater, die ältere in einer Pflegeeinrichtung. K.G.

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