Berlin : AUS DEM GERICHT

Weiterer Zeuge im Prozess um Patientenmorde gehört

Die Serie von Patienten-Tötungen soll die Atmosphäre in der Berliner Charité verändert haben. Es sei ein Klima des Beobachtens entstanden, sagte gestern ein Arzt im Prozess gegen die ehemalige Charité-Krankenschwester Irene B. „Jeder schaut jetzt genau, was der andere macht.“ Der 37-jährige Zeuge hatte zeitweise mit Irene B. zusammen gearbeitet. Er habe sie als „kompetent und zuverlässig“ erlebt, erklärte er. Merkwürdige Vorfälle seien ihm nicht zu Ohren gekommen. Die Krankenschwester soll zwischen Juni 2005 und Oktober 2006 auf der kardiologischen Intensivstation sechs schwer kranke Menschen im Alter von 48 bis 77 Jahren jeweils mit einer Medikamenten-Überdosis getötet haben. Zwei weitere Patienten hätten die Giftspritze überlebt. Vier Tötungen hat Irene B. zu Beginn des Prozesses eingeräumt. Sie will „im Willen“ und „zum Wohle“ der Patienten gehandelt haben. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. K.G.

Geldwäsche für Drogendealer: Mutter und Tochter vor Gericht

Wegen Geldwäsche im großen Stil sowie Sozialhilfebetruges stehen seit gestern eine 34-jährige Kauffrau und ihre 55-jährige Mutter vor Gericht. Die Tochter soll zwischen Oktober 2004 und November 2006 ein regelrechtes Netz von Geldwechslern aufgebaut und Gewinne aus Drogengeschäften umgetauscht haben. Laut Anklage wurde mit großen Beträgen jongliert. So soll die Tochter im März 2005 rund 450 000 Euro in einem Schließfach, 34 000 Euro in einer Handtasche und mehr als 150 000 Euro in einem von ihr genutzten Auto deponiert haben. Zudem soll die türkisch-stämmige Frau knapp zwei Jahre lang vom Jobcenter Tempelhof-Schöneberg Gelder in Höhe von insgesamt 11 000 Euro erschlichen haben. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. K.G.

45-Jähriger schlug seine fünf Kinder: Zwei Jahre und sechs Monate Haft

Die fünf Kinder lebten über Jahre hinweg in Angst vor Übergriffen ihres Vaters: Alfred S. schlug mit einem Plastikrohr, mit einer Fliegenklatsche oder mit der Zeitung zu. Das sah das Landgericht gestern als erwiesen an. Zudem habe er eine Tochter zu Boden geprügelt und getreten. Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung wurde der 45-jährige Straßenfeger aus Hohenschönhausen gestern zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Richter gingen von insgesamt 187 Taten zwischen Mai 2002 und Februar 2006 aus. Der Mann habe fortgesetzt, was er selbst in seiner Kindheit erlebt habe, hieß es im Urteil. Es sei ein Teufelskreis, bei dem Hilfe von außen durch rechtzeitiges Eingreifen erforderlich gewesen wäre. Die drei Mädchen und zwei Jungen leben heute in betreuten Wohngemeinschaften. K.G.

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