Aus dem Leben eines Chefconcierges : Wenn Geld keine Rolle spielt

Stephan Mehlhorn, Chefconcierge im Regent Hotel, hat schon einiges erlebt. Unter anderem ließ er für Madonna einen Konferenzraum zum Tanzsaal ausbauen.

Stephan Mehlhorn, Chefconcierge im Regent-Hotel hat schon so einige Stars durch den Verbindungsgang zum Borchardt begleitet.
Stephan Mehlhorn, Chefconcierge im Regent-Hotel hat schon so einige Stars durch den Verbindungsgang zum Borchardt begleitet.Foto: Mike Wolff

Der Tunnel der Stars ist tapeziert mit Filmpostern, und auf etlichen gibt es Unterschriften von Stars, Kritzeleien oder kleine Kommentare. Mick Jagger hat hier ebenso ein Autogramm hinterlassen wie Ann Hathaway. Der berühmte Tunnel, durch den die Stars während der  Berlinale zwischen dem Regent Hotel und dem Restaurant Borchardt pendeln, ist eigentlich kein Tunnel, sondern ein langer, schmaler Gang im Backstagebereich des Luxushotels. Hier gehen die Stars lang, wenn sie unerkannt aus der Tiefgarage ins Hotel gehen oder eben nach nebenan. Der Weg zu einer Hintertür des Lokals führt dann allerdings noch etwa fünf Meter durchs Freie.

Für Stephan Mehlhorn ist der Gang ein Arbeitsweg, aber nicht ohne glamouröse Einspielungen. Am Revers des feinen Anzugs trägt der Chefconcierge des Regent zwei goldene Schlüssel überkreuz, ein Symbol für den „Türöffner“, der er eben auch ist. Jüngst wurde er zum „Concierge des Jahres“ ausgezeichnet. Nähert sich ein Chauffeur mit Star auf dem Hintersitz der Tiefgarage, wird Mehlhorn telefonisch alarmiert.

Durch den Gang hat er schon Nicole Kidman begleitet, als sie, heimgekehrt von einem Dinner, sich die Pumps abstreifte, fröhlich bei ihm unterhakte und von den Filmen erzählte, die sie auf den Postern erkannte. Keith Richards hatte schon das eine oder andere Glas getrunken, als er in der Garage landete, aber Mehlhorn hat ihn trotzdem heil aufs Zimmer gebracht. Schließlich besitzt er den VIP-Schlüssel, mit dem man im Aufzug nonstop in die oberen Etagen fahren kann.

Wenn Geld keine Rolle spielt

Manchmal sind die Aufgaben, die er erledigen muss, komplexer. Natalie Portman etwa wartete mit zunehmender Nervosität auf ein Paket von Dior aus Paris. Um 21 Uhr sollte sie über den roten Teppich schreiten. Als das Paket um 19.30 Uhr noch nicht da war, kam ihr Visagist mit einer Liste zur Rezeption, drei oder vier Seiten lang, mit allen Artikeln, die in dem Paket sein sollten. Zwei Leute wurden losgeschickt in die Galeries Lafayette und ins KaDeWe.

Mehlhorn ließ seine Beziehungen spielen, damit dort für seine Leute noch ein bisschen länger geöffnet blieb, bis alles herausgesucht war. Am Ende hatten die Mitarbeiter Schmink- Utensilien für an die 8000 Euro besorgt. „Aber Geld spielt in solchen Fällen keine Rolle.“

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Dass Geld eher nebensächlich ist, hat er auch in ganz anderen Fällen schon erlebt. Einmal, das war im Sommer, rief ein Schauspieler, dessen Namen er nicht nennen möchte, bei ihm an und sagte, dass er sich bereits dreimal über die Wärme im Zimmer beschwert habe: „Und nun werde ich es demolieren, nur damit Sie Bescheid wissen.“ Gelassenheit gehört zum Handwerkszeug des guten Concierges.

Irgendwann läutete das Telefon erneut, und der Gast sagte: „Jetzt können Sie aufräumen kommen.“ Der Fernseher war umgekippt, ein Schrank zerstört, in der Wand klaffte ein Loch. Der Technische Leiter wurde herbeigerufen, um den Schaden zu schätzen: „Das wird alles auf die Rechnung gesetzt.“ In der Regel ist das kein Problem bei dieser Klientel.

Er erinnert sich auch an Gäste, die aus dem Fernsehen bekannt sind und um jeden Kaffee feilschen, der auf der Rechnung steht. Kulanz im richtigen Moment kann Wunder wirken und die Gäste zusätzlich ans Haus binden.

Concierges sind weltweit vernetzt

Die großen Stars haben für so was meist ihre Leute. Als Matt Damon in Berlin drehte, wohnte er eigentlich im Soho House. Aber für ein paar Tage Auszeit mit Frau und Kindern zog er ins Regent, um den Kopf mal frei zu kriegen von der Arbeit. Ganz nett und bescheiden im Auftreten sei der gewesen, habe immer gewinkt und sich sogar seinen Namen gemerkt. Lustig fand Stephan Mehlhorn den Tag, als Jack Nicholson und Morgan Freeman da waren und mal einen Schritt vor die Tür gingen, um zu rauchen. „Sie hätten auch den Innenhof wählen können, sind aber vor den Haupteingang getreten, wo sie von einem Touristenbus aus gut sichtbar waren: große Begeisterung, und sie haben auch gewinkt.“

Eigentlich wollte Mehlhorn nach einer Ausbildung zum Technischen Zeichner Bauingenieur werden, hatte für seinen Vater schon Baustellen in Dubai beaufsichtigt. Um die Zeit bis zum Studium zu überbrücken, nahm er in einem Hamburger Luxushotel einen Job als Wagenmeister an. Da funkte es, und er wusste, dass die Arbeit im Hotel für ihn genau richtig ist. Seit 2005 ist er nun am Regent Hotel am Gendarmenmarkt.

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In diesem Jahr organisiert Mehlhorn das Treffen von Concierges aus aller Welt in Berlin. Die weltweite Vernetzung mit andern Concierges in der Vereinigung „Clefs d’Or“ zahlt sich aus. Da war der Gast, der zum FormelEins-Rennen nach Monaco wollte und gern exakt das Zimmer wiederhaben wollte, in dem er das Rennen zuvor schon mal so schön vom Balkon aus verfolgen konnte. Den Namen des Hotels hatte er vergessen, und wo es lag, wusste er auch nicht mehr. Nach vielen Telefonaten mit monegassischen Kollegen ist Mehlhorn schließlich fündig geworden und konnte genau das richtige, im Übrigen sehr begehrte Zimmer buchen.

Für Madonna ließ er einen Konferenzsaal zum Tanzstudio umbauen

Ein anderer Gast hatte sich in einem Katalog in Meissener Porzellan verguckt und bestellte um 17 Uhr das Taubenhaus der Porzellanmanufaktur. Am nächsten Morgen um 9 Uhr wollte er mit dem Privatflugzeug weiterreisen. Das einzige Exemplar dieses Taubenhauses gab es noch in Meißen selbst – für 22.000 Euro. Also setzte Mehlhorn eine Mitarbeiterin in Gang, verhandelte wegen der Öffnungszeiten. Das Paket wurde dann direkt zum Jet geliefert. Auch da spielte Geld gar keine Rolle.

Als vor zehn Jahren Tom Cruise und Katie Holmes am Ende ihrer Dreharbeiten in Berlin einige ihrer Leute beschenken wollten, telefonierte er lange nach Ladenschluss den Geschäftsführer von Bucherer herbei, der zwölf Uhren im Gepäck hatte. „Sechs davon hat er verkauft an dem Abend.“ Die richtigen Handynummern gehören ebenfalls zum Werkzeug, ebenso wie Diskretion. Den Gast, der ihm das Bild eines Tiffany-Ringes zeigte, den er unbedingt haben wollte und der dann aus München eingeflogen werden musste, hat er selbstverständlich nicht nach dem Anlass gefragt.

Bei Empfehlungen bemüht er sich nicht um Originalität, sondern versucht herauszufinden, welche Bedürfnisse der jeweilige Gast hat. Vorausschauend handelt er auch, weiß schon, wann der Vorverkauf für das Konzert der Philharmoniker in der Waldbühne beginnt, und wird sich rechtzeitig Karten sichern für interessierte Gäste. Manchmal erfüllt der Chefconcierge Wünsche, die dann gar nicht eingefordert werden.

Für Madonna ließ er einen Konferenzsaal zum Tanzstudio umbauen, inklusive Spiegel und Parkett. „Und am Ende hat sie den gar nicht gebraucht.“ Dafür haben die Spieler von Bayern München direkt vor dem DFB-Pokal dort Fußball-Tennis gespielt. Das war unkompliziert, denn das Netz hatten sie dabei und der Teppich konnte liegen bleiben, weil bei so was der Ball ja eh immer in der Luft sein soll. Nur um den großen Kronleuchter hat er Angst gehabt, aber der blieb verschont.

In der Hotelgarage finden sich übrigens manchmal auch Limousinen anderer Luxushotels. Auch deren VIP-Gäste führt Stephan Mehlhorn gelegentlich zur versteckten Borchardt-Hintertür. Dazu ist man schließlich gut vernetzt: um zu nehmen und zu geben.

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