Berlin : Aus dem Leben eines Kühlschranks

Tagesspiegel-Kolumnist Axel Hacke liest am Sonntag „Das Beste aus meinem Leben“

Deike Diening

Axel Hackes Kühlschrank kann man auch mit den intimsten Fragen nach seinem Innenleben nicht zu nahe treten: Milch ist immer vorhanden, Bier, „weil es ein Münchner Kühlschrank ist“, und dann doch etwas Essbares, „weil wir einen Sohn haben, der regelmäßig Hunger hat“. Der Kühlschrank des Kolumnisten ist beinahe eine Person des öffentlichen Lebens. Würde er auf der Straße fotografiert, er könnte vermutlich keine Persönlichkeitsrechte geltend machen. Das liegt nicht unwesentlich an Axel Hacke selbst, der seit gut einem Jahr jeden Sonntag eine Kolumne im Tagesspiegel schreibt.

Ohne Axel Hacke gäbe es an deutschen Frühstückstischen weniger zu schmunzeln. Er hat das „Streiflicht“ der Süddeutschen Zeitung zu einer Institution in Deutschland gemacht; er hat die tägliche Kolumne auf der ersten Seite über viele Jahre geprägt und gepflegt. Außerdem hat er im Magazin der Süddeutschen Zeitung neben Frau Paola und Sohn Luis auch den Bosch-Kühlschrank weit nach vorne geschrieben. Und doch, ein Kolumnen-Konzept war der Kühlschrank nie: „Er tauchte einfach auf, zum erstenmal in meinem ersten Buch vor zwölf Jahren ,Nächte mit Bosch‘.“

Sechs Jahre später fiel Hacke der unterkühlte Protagonist wieder ein, den er in die SZ-Kolumne einführte. Und dann wollten ihn die Leser nicht mehr missen. „Zuerst schrieben die Leute an mich, ich solle die Briefe meinem Kühlschrank vorlesen. Dann gingen sie dazu über, direkt an meinen Kühlschrank zu schreiben. Inzwischen schreiben die Kühlschränke der Leute an meinen Kühlschrank. Schließlich gibt es da noch die Korrespondenz einer Münchner Waschmaschine mit meinem Kühlschrank.“ Axel Hacke hat auch in seiner Leserpost inzwischen einen immensen Abstraktionsgrad erreicht. „Viele glauben, ich bin ein Humorist, das bin ich aber gar nicht. Das Kriterium für eine gute Kolumne ist nicht, wie schallend die Leute lachen. Die besten Kolumnen tragen einen Ton durch den ganzen Text hindurch. Dieser Ton kann auch melancholisch sein, grüblerisch oder nachdenklich.“ Enormen Erfolg hat Hacke auch mit seinen Büchern. Mit dem „kleinen Erziehungsberater“ heitert er verzweifelte Eltern wieder auf, die sich in seinen Geschichten über die alltäglichen Mühen der Kindererziehung wiederfinden.

Am ehesten, sagt Hacke, seien gute Kolumnen mit einem guten Song zu vergleichen. Um deren Ton zu finden, muss er zunächst eine gedankliche Richtung finden. „Ich schreibe manchmal nur anderthalb Stunden, vorher aber sitze ich lange an meinem Schreibtisch, gucke in die Luft und wälze Gedanken.“ Manchmal schlägt er sein Notizbuch auf, in dem sich die sprachlichen Ein- und Ausfälle ein Stelldichein geben.

Knapp hundert seiner besten Kolumnen hat Hacke für das Buch „Das Beste aus meinem Leben“ zusammengestellt, das im März erscheinen wird. Am heutigen Sonntag gibt er eine Kostprobe in Berlin: Um 17 Uhr tritt er bei den Wühlmäusen am Theodor-Heuss-Platz auf – in Anwesenheit eines Kühlschranks. Einen Wermutstropfen gibt es aber für seine Fans: Sämtliche Karten sind bereits ausverkauft.

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