Berlin : Aus dem Osten für den Osten

Joachim Zeller gilt als Hoffnung der Berliner CDU – und soll helfen, das Image als Westpartei loszuwerden

Ulrich Zawatka-Gerlach

Mario Czaja regt sich auf. „Das war ein völlig unverschämter Artikel.“ Keineswegs habe er den CDU-Landesvorsitzenden Joachim Zeller, der im Bezirk Mitte seit 1995 Bürgermeister ist, als Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl 2006 vorgeschlagen. Der „Berliner Kurier“ habe ihn „sinnentstellend“ zitiert. Allerdings steht der 28-jährige CDU-Kreischef in Marzahn-Hellersdorf zu seiner Überzeugung, „dass die Erneuerung der Berliner CDU mehr aus dem Osten kommt“. Und Zeller habe – als Landesvorsitzender der Union – alle Instrumente in der Hand, um den innerparteilichen Mentalitätswechsel zu vollziehen.

Czaja, das sollte man wissen, ist ein Zögling des früheren CDU-Bundespolitikers und Berliner Senators Elmar Pieroth. Der hat seine Partei schon immer davor gewarnt, den Osten Deutschlands nur als Kampffeld gegen „rote Socken“ zu verstehen. Die Union dürfe nicht der PDS das Feld überlassen. Genau das aber ist geschehen. Seit 15 Jahren hat die Berliner CDU in Marzahn-Hellersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg, aber auch in Pankow und dem „bürgerlichen“ Ostbezirk Treptow-Köpenick wenig zu melden. Dass sich Zeller als Bürgermeister in Mitte halten konnte, liegt nicht an der CDU, sondern am pragmatischen Politikverständnis Zellers, der sich auf die Lösung kommunaler Probleme konzentriert und mit den Grünen und der PDS im Bezirk gut klarkommt.

In der eigenen Partei hat Zeller, zurzeit auf Urlaub in Litauen, seine Fans vor allem im Osten der Stadt. Dort sehnen sich die Funktionäre nach Persönlichkeiten, die Lichtenberg nicht für Sibirien halten. Angefangen vom CDU-Bundestagsabgeordneten Günter Nooke über Czaja bis zu den weithin unbekannten Kreis- und Ortsverbandschefs. Das hat nichts mit Ostalgie oder Regionalismus zu tun, sondern mit den Wahlergebnissen der vergangenen Jahre. Im östlichen Teil Berlins steht die Union kaum besser da als die Sozialdemokraten in Sachsen. Einstellige Stimmenanteile sind nicht selten; zuletzt wieder bei der Europawahl. Und das mitten im Stimmungstief der Sozialdemokraten. Die Berliner CDU ist geschockt und ratlos. Irgendetwas muss geschehen, um das Image als Westpartei loszuwerden, denn sonst bleibt die Partei bei der Wahl 2006 da, wo sie sich inzwischen eingependelt hat: bei 30 bis 35 Prozent.

Damit lässt sich aber nicht regieren, jedenfalls nicht mit der FDP. Und an die Grünen als Regierungspartner glaubt derzeit keiner. Also redet sich die CDU selbst im Sommerloch die Last von der Seele und die Parteibasis (Ost) lobt unentwegt Zeller und erinnert die Parteifreunde (West) auf diese Weise daran, dass es seit 1990 eine Gesamtberliner CDU gibt. Auch in Zukunft wird es immer wieder vorkommen, dass der bärtige Mann aus Mitte – direkt oder zwischen den Zeilen – als Spitzenkandidat öffentlich gehandelt wird. Bis er es tatsächlich wird – oder einem bislang namenlosen Supermann aus der Bundespartei weicht, dem man „40 Prozent plus X“ zutraut.

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