Berlin : Aus dem Schatten

Klaus Wowereit wirbt für Kinderhospiz Sonnenhof

Lisa Garn

Berlin - Für Lotte und Darwin zählte nur eins: Aufmerksamkeit erregen. Da hatten die beiden hungrigen Esel vom Kinderhospiz „Sonnenhof“ und Klaus Wowereit wohl ausnahmsweise ein gemeinsames Ziel. Denn Aufmerksamkeit schaffen wollte der Regierende Bürgermeister – für das Pankower Kinderhospiz der Björn Schulz Stiftung, das er gestern zum ersten Mal besuchte. Für die Stiftung allerdings ist er bereits seit mehreren Jahren aktiv. „Das Thema Kindstod ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Es wird Zeit, uns damit auseinander zu setzen und Einrichtungen wie diese zu unterstützen“, sagte Wowereit.

Seit 2002 werden im „Sonnenhof“ schwerst- oder unheilbar kranke Kinder und ihre Familien betreut - nicht nur medizinisch. „Wir möchten den letzten Lebensweg so angenehm wie möglich gestalten und für die Betroffenen einen Ort der Ruhe schaffen“, sagt Stiftungschef Jürgen Schulz, der mit dem „Sonnenhof“ das einzige Kinderhospiz in Berlin und Ostdeutschland gründete. Derzeit werden hier neun „Gäste“, so werden die Patienten genannt, und ihre Angehörigen betreut. Trotz aller Beklommenheit geht es auch fröhlich zu. In der Küche wird gemeinsam geschnippelt, im „Snoezelenraum“ werden alle Sinne durch Farben und Licht verwöhnt, und im Streichelzoo warten Lotte und Darwin. Die häusliche Atmosphäre und eine größtmögliche Selbstbestimmung stehen dabei im Vordergrund des Konzeptes.

Mehr als 160 Familien unterstützt die Stiftung auch zu Hause durch ehrenamtliche Mitarbeiter. „Die Betreuung beginnt nicht wie in Erwachsenenhospizen mit dem letzten Lebensabschnitt, sondern viel früher und widmet sich allen Familienmitgliedern“, beschreibt Jürgen Schulz die Arbeit. Allerdings stößt diese auch auf Schwierigkeiten: Einen Platz im „Sonnenhof“ finanzieren die Krankenkassen zu weniger als 50 Prozent, der Rest kommt durch Spenden zusammen. Gleichzeitig wird die umfassende Betreuung von Familien mit schwerstkranken Kindern immer wichtiger. In Deutschland leben zurzeit über 20 000 unheilbar kranke Kinder, 500 von ihnen sterben jedes Jahr in Berlin und Brandenburg.

„Diese Kinder brauchen einen Ort der Sonne. Deshalb muss die Diskussion um eine Reform im Gesundheitswesen stattfinden“, resümierte Wowereit seinen Besuch im „Sonnenhof“ .

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